{"id":1036,"date":"2020-12-23T16:48:30","date_gmt":"2020-12-23T15:48:30","guid":{"rendered":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/?p=1036"},"modified":"2020-12-23T16:48:30","modified_gmt":"2020-12-23T15:48:30","slug":"von-ki-zu-ethi-wie-kuenstliche-intelligenz-mehr-ethische-intelligenz-in-redaktionen-bringen-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/von-ki-zu-ethi-wie-kuenstliche-intelligenz-mehr-ethische-intelligenz-in-redaktionen-bringen-kann\/","title":{"rendered":"Von KI zu EthI &#8211; Wie K\u00fcnstliche Intelligenz mehr Ethische Intelligenz in Redaktionen bringen kann"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"blog-content\">\n<p>Wie K\u00fcnstliche Intelligenz funktioniert, das kennt man ja &#8211; zumindest glaubt man es. \u201eKunden, die xy gekauft haben, mochten auch yz.\u201c Zumindest ist das die Art von KI, auf die man als Nutzer*in von Amazon, Spotify und allerlei digital ausgespielter Werbung trainiert ist. Heraus kommt immer mehr vom \u00c4hnlichen, so dass man sich irgendwann fragt, welche Art Welt an einem wohl vorbeiziehen mag, w\u00e4hrend man so vermeintlich gut versorgt durch seine Konsument*innen-Blase schwebt. In Erinnerung bleibt die Anekdote, die eine Medien-Forscherin erz\u00e4hlte. Wie die Managerin eines Plattform-Unternehmens aus dem Silicon Valley sie verst\u00e4ndnislos angeschaut habe, als sie von einem Chefredakteur*innen-Workshop sprach. Wozu man diese Rolle denn k\u00fcnftig noch brauche, das \u00fcbernehme doch alles die Software?<br \/><br \/>Vor einem Journalismus, der so verstanden werden w\u00fcrde, kann es einem nur grausen. Aber nach anf\u00e4nglichen Ber\u00fchrungs\u00e4ngsten (\u201enichts geht \u00fcber uns und unser Bauchgef\u00fchl\u201c) hat sich die Debatte unter Medienschaffenden und -Wissenschaftlern, die sich ernsthaft mit den Potentialen von KI f\u00fcr die Branche besch\u00e4ftigen, in eine g\u00e4nzlich andere Richtung entwickelt. Mittlerweile geht es darum, wie man den Journalismus mithilfe von Software nicht nur st\u00e4rken, sondern insbesondere ethischer machen kann. So wie die Emotionale Intelligenz (EI) den Begriff der Intelligenz erweitert hat, sollte also eine Ethische Intelligenz die KI erg\u00e4nzen, man k\u00f6nnte sie EthI nennen. <br \/><br \/>Der erste Schritt dahin ist, es zu wollen. Der Bayerische Rundfunk ist dabei k\u00fcrzlich vorgeprescht: Er hat sich <a href=\"https:\/\/www.br.de\/extra\/ai-automation-lab\/ki-ethik-100.html\">Richtlinien f\u00fcr eine ethische KI<\/a> verordnet, zehn Prinzipien, auf deren Grundlage entsprechende Software im eigenen Haus entwickelt und angewandt werden soll. Es lohnt sich, die Grunds\u00e4tze zu lesen, denn sie lassen sich auch auf den Journalismus insgesamt anwenden. Es geht um den verantwortungsvollen Einsatz von Ressourcen, bestm\u00f6gliche Transparenz und Debatte, Kooperationen und begleitende Evaluation. Anders als bei den von Facebook und Co. verordneten Black Boxes, die nur sehr wenig preisgeben \u00fcber die Algorithmen, nach denen sie funktionieren, m\u00f6chte der BR wissen, mit welchen stereotypischen Annahmen Software m\u00f6glicherweise gespickt ist. Und die Kolleg*innen wollen die Spielregeln selbst bestimmen, im Verbund mit anderen. Ziel ist ein Journalismus, der endlich die Standards erf\u00fcllt, die sich Redaktionen oft selbst gesetzt haben, an denen sie aber ebenso oft gescheitert sind. Es geht um Vielfalt und Repr\u00e4sentation. Der Mehrwert f\u00fcr die Nutzer*innen muss im Mittelpunkt stehen. <br \/><br \/>Diese Grundprinzipien sind \u2013 ganz im Geist der Kollaboration \u2013 nicht in einem Chefb\u00fcro entstanden. Uli K\u00f6ppen, Teamleiterin beim BR, arbeitet im <a href=\"https:\/\/www.lse.ac.uk\/media-and-communications\/polis\/JournalismAI\">Journalism and AI Project<\/a> der London School of Economics mit, einer internationalen Kooperation von klugen K\u00f6pfen aus dem Journalismus, die sich medien\u00fcbergreifend mit den Potenzialen und Risiken von KI f\u00fcr die Branche auseinandersetzen. Man lernt dort gemeinsam und voneinander, probiert aus, tr\u00e4gt zusammen, verwirft Nutzloses und feiert Erfolge. Das hat den Vorteil, dass nicht jede Organisation die gleichen Fehler machen und Erfolgsgeschichten entwickeln muss. Den bitteren Konkurrenzkampf, den sich Medienh\u00e4user und einzelne Titel jahrzehntelang geliefert haben und noch liefern, haben die Weitblickenden unter den Journalist*innen und Medienmanager*innen hinter sich gelassen. Sie wissen: Die gr\u00f6\u00dfte Konkurrenz sitzt \u00fcberall dort, wo man sich bewusst und unbewusst l\u00e4ngst angeschickt hat, Qualit\u00e4tsjournalismus feindlich zu \u00fcbernehmen. <br \/><br \/>Beim \u201eJournalism and AI Festival\u201c mit seinen 15 Panels wurde k\u00fcrzlich deutlich, welche vielf\u00e4ltigen M\u00f6glichkeiten in der KI f\u00fcr den Journalismus stecken, aber auch, dass die Entwicklung noch ziemlich am Anfang steht (alle Panels lassen sich <a href=\"https:\/\/www.journalismaifestival.com\/?utm_source=LSE_website&amp;utm_medium=banner&amp;utm_campaign=Festival\">hier<\/a><br \/>nachh\u00f6ren). Auch das ist gut. Noch l\u00e4sst sich vieles gestalten. Redaktionen, die sich jetzt nicht mit dem Thema besch\u00e4ftigen, sollten sp\u00e4ter nicht sagen, ein Trend habe sie \u00fcberrollt.<br \/><br \/>Nat\u00fcrlich birgt die KI auch Gefahren. Verleger*innen unter Kostendruck k\u00f6nnten deren Potenziale nicht f\u00fcr den Journalismus sondern allein als Sparprogramm nutzen. Das Absch\u00f6pfen und Interpretieren von Daten k\u00f6nnte aus dem Ruder laufen, exzessive Personalisierung dazu f\u00fchren, dass Journalismus trennt, statt Gemeinschaft zu stiften. Sehr real ist die Gefahr eines neuen \u00dcberangebots. Vor lauter Freude an dem, was technisch m\u00f6glich ist, mag so manche Redaktion \u00fcber das Ziel hinausschie\u00dfen und Nutzer*innen mit allem bombardieren, was sie schon gestern nicht wollten. Dabei muss Journalismus vor allem das: Orientierung bieten. W\u00e4re doch erstaunlich, wenn KI dabei nicht helfen k\u00f6nnte. Allerdings nach Regeln, die von Journalist*innen gestaltet werden.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"blog-content\">\n<div class=\"blog-bottom\"><em>Dieser <a href=\"https:\/\/www.hamburgmediaschool.com\/blog\/von-ki-zu-ethi-wie-kuenstliche-intelligenz-mehr-ethische-intelligenz-in-redaktionen-bringen-kann\">Text erschien am 18. Dezember 2020<\/a> im Newsletter des Digital Journalism Fellowship an der Hamburg Media School.\u00a0<\/em><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie K\u00fcnstliche Intelligenz funktioniert, das kennt man ja &#8211; zumindest glaubt man es. \u201eKunden, die xy gekauft haben, mochten auch yz.\u201c Zumindest ist das die Art von KI, auf die man als Nutzer*in von Amazon, Spotify und allerlei digital ausgespielter Werbung trainiert ist. 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