{"id":1592,"date":"2023-07-03T10:38:28","date_gmt":"2023-07-03T08:38:28","guid":{"rendered":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/?p=1592"},"modified":"2023-07-03T10:39:48","modified_gmt":"2023-07-03T08:39:48","slug":"so-kann-klimajournalismus-den-journalismus-nachhaltiger-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/so-kann-klimajournalismus-den-journalismus-nachhaltiger-machen\/","title":{"rendered":"So kann Klimajournalismus den Journalismus nachhaltiger machen"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein sehr gesch\u00e4tzter ehemaliger Kollege reagierte k\u00fcrzlich etwas verschnupft auf die Ank\u00fcndigung, demn\u00e4chst erscheine ein gro\u00dfer Report zum Thema Klimajournalismus. \u201eKlimajournalismus \u2013 was ist das? Journalisten sind keine Aktivisten\u201c, kommentierte er einen entsprechenden LinkedIn-Post. Dieser Kollege hat sich Zeit seines Berufslebens mit der Autoindustrie besch\u00e4ftigt. Er tut das kritisch, kompetent, exzellent vernetzt und mit Begeisterung f\u00fcr das Fachgebiet. Kaum jemand w\u00fcrde ihm daf\u00fcr Aktivismus vorwerfen. Reportern, die \u00fcber Klimaschutz berichten, geht dies anders. Auch wenn sie dies nur am Rande tun, zum Beispiel im Kontext eines Wetterberichts, findet sich immer jemand, der ihnen eine politische Agenda unterstellt.\u00a0<\/p>\n<p>Das macht eine ohnehin komplizierte Sache nicht einfacher, selbst wenn sich die F\u00fchrungsetage gegen solche Anw\u00fcrfe verwahrt. \u201eWir haben keine Agenda. Der Klimawandel ist so offensichtlich geworden. Selbst den gr\u00f6\u00dften Kritikern ist klar, dass da etwas passiert\u201c, sagt zum Beispiel der ARD-Vorsitzende und SWR-Intendant Kai Gniffke in einem Interview f\u00fcr den oben erw\u00e4hnten Report \u201e<a href=\"https:\/\/www.ebu.ch\/guides\/open\/report\/news-report-2023-climate-journalism-that-works\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Climate Journalism That Works \u2013 Between Knowledge and Impact<\/a>\u201c, der von der <a href=\"https:\/\/www.ebu.ch\/home\">European Broadcasting Union<\/a> in Auftrag gegeben wurde und in der vergangenen Woche erschienen ist (Disclaimer: Ich bin Lead-Autorin dieses Reports).\u00a0<\/p>\n<p>So wie Gniffke reagierten viele Interviewpartner. Man berichte die Fakten, auf jeden Fall. Das ist verst\u00e4ndlich, denn wer w\u00fcrde schon zugeben, eventuell eine Schere im Kopf zu haben, weil der Ruf der \u00dcberparteilichkeit auf dem Spiel steht? F\u00fcr die \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien, die dieser verpflichtet sind, ist das eine spezielle Herausforderung.\u00a0<\/p>\n<p>Da hilft es wom\u00f6glich, wenn F\u00fchrungskr\u00e4fte sich und anderen vor Augen f\u00fchren, dass eine Investition in Klimajournalismus und eine entsprechende Strategie in jedem Fall nutzt \u2013 und sei es, um das gesamte journalistische Angebot und damit die Organisation nachhaltiger zu machen. Denn gerade, weil Klimajournalismus so komplex ist, lassen sich die Lektionen, die Redaktionen daraus lernen k\u00f6nnen, auch auf andere Felder anwenden. Dies ist das Fazit des Reports, der sieben solcher Vorteile herausgearbeitet hat:<\/p>\n<p><strong>Erstens: Beim Klimajournalismus geht es um die Zukunft.<\/strong> Der heutige Journalismus steckt allzu h\u00e4ufig in der Gegenwart fest. Er muss Strategien entwickeln, um seine Legitimit\u00e4t in der Aufmerksamkeits\u00f6konomie zu steigern. Dies gilt besonders f\u00fcr \u00f6ffentlich-rechtliche Medienh\u00e4user, denen die Daseinsberechtigung von verschiedenen politischen Lagern abgesprochen wird. Wer, wenn nicht sie sollte den Auftrag haben, zum Schutz der Lebensgrundlagen auf unserem Planeten durch besseren Journalismus beizutragen? Damit w\u00fcrden die Sender auch den besonderen Anspr\u00fcchen der jungen Generation gerecht. Es ist vor allem ihre Zukunft.<\/p>\n<p><strong>Zweitens: Klimaschutz braucht Hoffnung. Nur damit bringt er Menschen zum Handeln.<\/strong> Der heutige Journalismus konzentriert sich dagegen meist auf Konflikte, Vers\u00e4umnisse und Fehlschl\u00e4ge. Konstruktiver und l\u00f6sungsorientierter Journalismus bieten einen Weg in die Zukunft. Das Drive-Projekt der <em>DPA<\/em> und der Beratung Schickler, in dem 21 deutsche Regionalverlage ihre Daten zur Verf\u00fcgung stellen, <a href=\"https:\/\/innovation.dpa.com\/2023\/03\/02\/drive-inspire-me-artikel-die-wertvollsten-digital-inhalte\/\">hat k\u00fcrzlich belegt<\/a>, dass inspirierende St\u00fccke die wertvollsten Digital-Inhalte sind, wenn es um Abo-Abschl\u00fcsse geht. In der vergangenen Woche widmete sich der gesamte <a href=\"https:\/\/dju.verdi.de\/service\/veranstaltungen\/++co++6fc7ee36-3273-11ed-a07f-001a4a160111\">Journalismustag der Gewerkschaft Verdi<\/a> dem konstruktiven Journalismus.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p><strong>Drittens: Im Klimaschutz z\u00e4hlt das, was getan wurde. Der heutige Journalismus konzentriert sich noch zu sehr auf das, was gesagt wurde<\/strong>. Dabei l\u00e4sst der \u201eEr hat gesagt, sie hat gesagt\u201c Journalismus, der vor allem die Politikberichterstattung dominiert, die meisten Nutzer eher kalt. Moderner Journalismus sollte st\u00e4rker auf Daten als auf Zitaten aufbauen.<\/p>\n<p><strong>Viertens: Ein funktionierender Klimajournalismus n\u00e4hert sich dem Publikum mit Respekt und in einer Sprache, die es versteht.<\/strong> Der heutige Journalismus erhebt sich oft besserwisserisch \u00fcber sein Publikum. Viel zu h\u00e4ufig mahnt oder warnt er, statt zu erkl\u00e4ren und aufzudecken. Viele Nutzer f\u00fchlen sich davon bevormundet oder dazu gedr\u00e4ngt, in Lagerk\u00e4mpfen Partei zu ergreifen. Dabei muss Journalismus vielf\u00e4ltiger und inklusiver werden, wenn er Menschen erreichen, begeistern und zum Handeln bringen m\u00f6chte. Das gilt f\u00fcr Formate und Protagonisten.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcnftens: Klimajournalismus muss im Lokalen verankert sein.<\/strong> Der heutige Journalismus strebt dagegen zu oft nach Reichweite und vernachl\u00e4ssigt dabei die besonderen Bed\u00fcrfnisse der Menschen vor Ort. Um sich unverzichtbar zu machen, sollte Journalismus seine Bedeutung als gemeinschaftsbildende Institution zur\u00fcckgewinnen. Wer ein Medienprodukt nutzt oder gar abonniert, tut dies oft, um dazuzugeh\u00f6ren.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Sechstens: Klimajournalismus muss Wirkung zeigen, sonst ist er sinnlos.<\/strong> Er sollte deshalb seine eigenen Praktiken reflektieren und Erkenntnisse aus der Forschung nutzen, insbesondere aus den Kommunikationswissenschaften und der Psychologie. Journalismus tut dies noch viel zu selten. Journalisten sind \u00fcblicherweise neugierige Menschen, aber oft erstaunlich ver\u00e4nderungsresistent. Medienh\u00e4user k\u00f6nnten viel gewinnen, zeigten ihre F\u00fchrungskr\u00e4fte und Mitarbeitenden mehr Freude am Lernen und strategischen Denken.<\/p>\n<p><strong>Siebtens: Klimajournalismus profitiert von Zusammenarbeit<\/strong>. Dies gilt f\u00fcr die interne Vernetzung von Ressorts und Regionen sowie extern f\u00fcr die Kooperation mit anderen Medienh\u00e4usern oder Partnern, die zum Beispiel Daten liefern. Im heutigen Journalismus dominiert noch viel zu oft altes Konkurrenzdenken. Dabei lie\u00dfen sich \u00fcber Kooperationen so viele Potenziale heben. Der Journalismus der Zukunft ist kollaborativ.<\/p>\n<p>Diese <a href=\"https:\/\/medieninsider.com\/kolumne-alexandra-borchardt-so-kann-klimajournalismus-den-journalismus-nachhaltiger-machen\/15437\/\">Kolumne erschien bei Medieninsider am 7. M\u00e4rz 2023<\/a>. Um aktuelle Kolumnen dort zu lesen, braucht man ein Medieninsider-Abo.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein sehr gesch\u00e4tzter ehemaliger Kollege reagierte k\u00fcrzlich etwas verschnupft auf die Ank\u00fcndigung, demn\u00e4chst erscheine ein gro\u00dfer Report zum Thema Klimajournalismus. \u201eKlimajournalismus \u2013 was ist das? 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