{"id":1733,"date":"2024-02-10T18:11:27","date_gmt":"2024-02-10T17:11:27","guid":{"rendered":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/?p=1733"},"modified":"2024-02-10T18:15:41","modified_gmt":"2024-02-10T17:15:41","slug":"lse-professor-charlie-beckett-ueber-ki-ich-habe-medien-fuehrungskraefte-nie-zuvor-so-besorgt-gesehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/lse-professor-charlie-beckett-ueber-ki-ich-habe-medien-fuehrungskraefte-nie-zuvor-so-besorgt-gesehen\/","title":{"rendered":"LSE-Professor Charlie Beckett \u00fcber KI: &#8222;Ich habe Medien F\u00fchrungskr\u00e4fte nie zuvor so besorgt gesehen&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Jeder in der Branche spricht \u00fcber K\u00fcnstliche Intelligenz und noch niemand wei\u00df, wohin sie den Journalismus letzten Endes bringen wird. Das gilt auch f\u00fcr Charlie Beckett, wie er im Interview mit Medieninsider verr\u00e4t. Und trotzdem ist der Leiter des internationalen JournalismAI Project und Journalismusprofessor an der London School of Economics der richtige Ansprechpartner, um \u00fcber die Stimmung der internationalen Medienbranche gegen\u00fcber k\u00fcnstlicher Intelligenz, ihren Aufstieg und die Bedeutung zu sprechen. Ein Interview dar\u00fcber,\u2026 :<\/p>\n<p>\u25ba \u2026 wie die KI die Branche ver\u00e4ndern k\u00f6nnte wie zuletzt das Internet<\/p>\n<p>\u25ba \u2026 was von redaktionellen Regelwerken im Umgang mit KI zu halten ist<\/p>\n<p>\u25ba \u2026 wie KI bisherige Machtverteilung der Tech-Konzerne aufwirbelt<\/p>\n<p>\u25ba \u2026 was KI im Umgang mit Urheberrechten bedeutet und welche Fragen nun gestellt werden m\u00fcssen<\/p>\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n<p><strong>Medieninsider: Seit dem Launch von ChatGPT werden praktisch t\u00e4glich neue KI-Anwendungen bekannt, die f\u00fcr den Journalismus relevant sind. Welche fasziniert Sie besonders?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Charlie Beckett: <\/strong>Eine kleine Redaktion in Malawi, die an unserem KI-Lehrgang f\u00fcr kleine Redaktionen teilnimmt. Sie hat ein auf generativer KI basierendes Tool gebaut, das praktisch ein ganzer Werkzeugkasten ist. Mit ihm lassen sich die Workflows in Redaktionen vereinfachen. Dabei geht es darum, Informationen schnell zu verarbeiten und in Formate zu gie\u00dfen, eine Art super effizienter Redaktionsmanager. Es ist keine dieser sensationellen Anwendungen, die dabei helfen, Deep Fakes zu entdecken oder als investigatives Tool das n\u00e4chste Watergate zutage zu f\u00f6rdern. Aber ich finde das gro\u00dfartig: eine afrikanische Redaktion, die schnell etwas entwickelt, das den Kollegen das Tagesgesch\u00e4ft erleichtert. Ich glaube, in diesen eher mechanischen Anwendungen liegt die unmittelbare Zukunft. Das geht im Medienhype oft unter. Da diskutiert man lieber \u00fcber Themen wie Killer-Roboter.\u00a0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1655 alignright\" src=\"https:\/\/alexandraborchardt.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Charlie-Beckett-744x496.jpg\" alt=\"\" width=\"282\" height=\"188\" srcset=\"https:\/\/alexandraborchardt.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Charlie-Beckett-744x496.jpg 744w, https:\/\/alexandraborchardt.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Charlie-Beckett-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/alexandraborchardt.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Charlie-Beckett-420x280.jpg 420w, https:\/\/alexandraborchardt.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Charlie-Beckett-768x512.jpg 768w, https:\/\/alexandraborchardt.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Charlie-Beckett-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/alexandraborchardt.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Charlie-Beckett-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/alexandraborchardt.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Charlie-Beckett-138x92.jpg 138w\" sizes=\"auto, (max-width: 282px) 100vw, 282px\" \/><\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>\u201eDefinitiv wird KI die Branche mindestens so pr\u00e4gen, wie der Online-Journalismus und der Aufstieg der sozialen Netzwerke dies getan haben.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Glauben Sie, dass kleine Redaktionen \u00fcberproportional von KI profitieren werden, oder sind wieder einmal die gro\u00dfen Spieler die Gewinner?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Antwort ist: keine Ahnung! Bislang war es bei Innovationen so, dass die gro\u00dfen Redaktionen am st\u00e4rksten profitiert haben, weil sie mehr investieren k\u00f6nnen. Aber wenn kleine Redaktionen ein paar Tools finden, die ihnen zum Beispiel dabei helfen, Newsletter zu automatisieren oder Daten f\u00fcr ein Investigativ-Projekt auszuwerten, kann das ihnen enorm helfen. Ein Effizienz-Gewinn von zehn Prozent kann Existenzen sichern. F\u00fcr Lokalredaktionen k\u00f6nnte sich KI als Br\u00fcckentechnologie erweisen. Das zumindest h\u00f6re ich in Gespr\u00e4chen heraus.<\/p>\n<p><strong>Weil sie mit weniger Leuten mehr schaffen k\u00f6nnen? Es gibt das schwedische Beispiel, dass automatisierte Auswertungen von Immobilienpreisen sogar Abos generieren, weil das Thema die Leser brennend interessiert \u2013 so wie auch Wetter- und Verkehrsmeldungen.<\/strong><\/p>\n<p>Das hoffen die Redakteure von kleinen Redaktionen zumindest. Sie sagen, sie k\u00f6nnten mit Hilfe von KI zumindest ausreichend Inhalte produzieren, um die Existenz ihrer Marke zu rechtfertigen. Die Reporter k\u00f6nnten sich dann darauf konzentrieren, echte lokale Geschichten zu recherchieren. Wir werden sehen, ob das wirklich passiert. Aber definitiv wird KI die Branche mindestens so pr\u00e4gen, wie der Online-Journalismus und der Aufstieg der sozialen Netzwerke dies getan haben.<\/p>\n<p><strong>KI scheint in der Branche Begeisterung und Experimentierfreude freizusetzen, anders als damals zu Beginn des Online-Journalismus, dem viele skeptisch gegen\u00fcberstanden.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Man ger\u00e4t schon etwas au\u00dfer Atem angesichts der Entwicklung. Am Anfang schauten wir uns k\u00fcnstlich generierte Bilder an und dachten: Naja, das sieht etwas wackelig aus. Drei Monate sp\u00e4ter gab es schon beeindruckend realistische Bilder. Wir bewegen uns gerade durch diesen Hype-Zyklus. Egal, mit welcher Redaktion auf der Welt\u00a0ich spreche: Alle spielen mindestens mit KI herum, sp\u00e4testens am Jahresende werden viele etwas implementiert haben.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Sie sagen aber, es ist zu fr\u00fch f\u00fcr Vorhersagen?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Wir sehen gerade eine extrem fluide Entwicklung. Anzeigenkunden wissen noch nicht, was sie tun sollen, im Verh\u00e4ltnis zwischen Plattform-Konzernen und Verlagen ist erneut vieles offen. Tats\u00e4chlich habe ich so etwas noch nie erlebt. Dabei sind alle wirklich hoch aufmerksam, und auch das habe ich so noch nicht erlebt. Allen ist klar, dass wir vor einer gro\u00dfen Ver\u00e4nderung stehen.\u00a0<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>\u201eRegelwerke sind eine gute Sache, aber dort sollte gleich am Anfang stehen: All dies k\u00f6nnte sich \u00e4ndern.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Aber ist es nicht riskant, einfach abzuwarten?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Automatisierung ist noch sehr instabil. Auf dem jetzigen Stand neue Prozesse aufzusetzen w\u00e4re, als w\u00fcrde man ein Haus auf einem Vulkan bauen. Der richtige Prozess ist: Lasse die Mitarbeitenden experimentieren, lernen und auf jeden Fall \u00fcber potenzielle Wirkungen nachdenken. Wenn Sie mich jetzt fragen, was sind die zehn Tools, die ich kennen muss, dann ist das die falsche Frage.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Genau das wollte ich nat\u00fcrlich fragen. Das wollen derzeit doch viele wissen. Und jeder Berater will der Erste sein, der das ultimative KI-Handbuch f\u00fcr Redaktionen herausgibt. Muss man also misstrauisch sein, wenn jemand mit breiter Brust behauptet, L\u00f6sungen zu haben?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Wir sammeln derzeit, wer welche Tools nutzt und welche Erfahrungen damit gemacht werden. Wir geben aber keine Empfehlung f\u00fcr das vermeintlich beste Tool ab. Ich habe gerade mit dem CEO eines gro\u00dfen Senders gesprochen. Neben regelm\u00e4\u00dfigen Gespr\u00e4chs- und Informationsrunden nehmen sie sich dort eine halbe Stunde pro Tag Zeit, um einfach mit neuen Tools herumzuspielen. Wenn man CEO ist, muss man nat\u00fcrlich einen Etat f\u00fcr KI einplanen. Aber der sollte flexibel einsetzbar sein.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Viele Redaktionen geben sich gerade Regeln f\u00fcr den verantwortungsvollen Einsatz von KI. Der<\/strong><strong><em> Bayerische Rundfunk <\/em><\/strong><strong>ist ein Beispiel, die Kollegin, die das angeschoben hat, war Teilnehmerin einer der ersten Kohorten Ihres LSE Journalism and AI Projects.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Solche Regelwerke sind eine gute Sache, aber dort sollte gleich am Anfang stehen: All dies k\u00f6nnte sich \u00e4ndern. Wichtig ist auch, so eine Handreichung mit einer Botschaft der Ermutigung zu beginnen. Jeder CEO, der sofort sagt, wir tun dies nicht und das nicht, macht einen gro\u00dfen Fehler. Die besten Guidelines sind diejenigen, die sagen: Das sind unsere Grenzen, und das sind die wichtigen Fragen, die wir uns bei allen Anwendungen stellen sollten. Transparenz ist ein wichtiges Thema: Wem sage ich, was ich gerade ausprobiere? Meinen Vorgesetzten, meinen Kollegen, den Nutzenden? Und nat\u00fcrlich ist eine generelle Vorsicht angesagt. Im Moment sind Schw\u00e4rme von Firmenvertretern unterwegs, die einem Wunder-Tools verkaufen wollen. 90 Prozent davon sind Unsinn.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Wie transparent sollte man dem Publikum gegen\u00fcber sein?<\/strong><\/p>\n<p><em>Bloomberg<\/em> zum Beispiel schreibt unter Texte: Das ist zu 100 Prozent KI-generiert. Das ist nicht als Warnsignal gedacht, sondern als Zeichen von Stolz. Es soll sagen: Wir k\u00f6nnen mit dieser Technologie umgehen, Sie k\u00f6nnen uns vertrauen. Ich glaube, Redaktionen sind ein bisschen zu besorgt, was das angeht. Unter Texten steht ja heute auch nicht \u201eein Teil der Informationen stammt von Nachrichtenagenturen\u201c oder \u201eDer Praktikant hat bei der Recherche geholfen\u201c. Man sollte Transparenz-Hinweise selbstbewusst nutzen, um den Konsumenten zu zeigen, dass man ihnen mehr bieten m\u00f6chte. Einige H\u00e4user werden weiterhin Clickbait-Seiten haben und sie nun mit einer Menge KI-M\u00fcll f\u00fcllen, ohne das auszuweisen. Aber die haben vermutlich schon immer viel M\u00fcll produziert.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Wie muss sich die Journalisten-Ausbildung \u00e4ndern? Sollte man denjenigen, die den Beruf ergreifen, weil sie gerne schreiben, nun davon abraten, weil KI darin bald extrem gut sein wird?<\/strong><\/p>\n<p>Als erstes w\u00fcrde ich sagen: Es \u00e4ndert sich nicht viel. Die Eigenschaften und Fertigkeiten, die wir in der Ausbildung f\u00f6rdern, sind zutiefst menschlich: Neugier, Kreativit\u00e4t, Kompetenzen. In den vergangenen 15 Jahren sind nat\u00fcrlich die technischen Fertigkeiten dazugekommen. Aber es haben sich auch grundlegende Dinge ge\u00e4ndert. Es geht heute mehr denn je um den Aufbau einer Beziehung zu den Nutzenden, nicht nur um Produktentwicklung. Journalismus ist ein datenbasierter, strukturierter Prozess der Informationsvermittlung. Mit der generativen KI r\u00fcckt die Technologie dabei stark in den Hintergrund. Man muss nicht mehr programmieren lernen. Aber eine Schl\u00fcsselqualifikation wird es sein, exzellente Prompts zu schreiben. Das Schreiben von Prompts wird wie Programmieren sein, nur ohne Mathe.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Journalisten m\u00f6gen sich von diesen KI-Schreib-Tools in ihren Kernkompetenzen herausgefordert f\u00fchlen, aber k\u00f6nnten diese Werkzeuge nicht eine gro\u00dfartige Chance sein, alles zu demokratisieren, das Sprachkompetenz erfordert? Meine Studierenden, von denen viele keine Muttersprachler sind, nutzen ChatGPT zum Beispiel dazu, ihre Lebensl\u00e4ufe zu redigieren.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht sollte man nicht dieses gro\u00dfe Wort Demokratisierung benutzen, aber KI k\u00f6nnte durchaus Barrieren senken und Hindernisse aus dem Weg r\u00e4umen. Andererseits bin ich skeptisch. Wir untersch\u00e4tzen oft, auf welche Weise Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten online fortbestehen.\u00a0<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>\u201eEs wird aber mehr Produkte geben, die wie guter Journalismus aussehen werden.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Wir haben viel \u00fcber die Chancen von KI f\u00fcr den Journalismus gesprochen. Welches sind die gr\u00f6\u00dften Risiken?<\/strong><\/p>\n<p>Da ist nat\u00fcrlich die gro\u00dfe Abh\u00e4ngigkeit von Tech-Konzernen, die Gefahr von Diskriminierung. Journalismus muss faktenbasiert und genau sein, generative KI kann das nicht in dem geforderten Ma\u00dfe liefern. Das gr\u00f6\u00dfte Risiko ist aber wohl, dass die Rolle der Medien als Vermittler weiter schwindet. Schon das Internet hat diese Rolle geschw\u00e4cht, die Nutzenden k\u00f6nnen direkt zu denjenigen gehen, die Informationen anbieten. Aber die auf Sprachmodellen basierende KI wird alle Fragen beantworten, ohne dass die Menschen jemals mit der Quelle der Information in Ber\u00fchrung kommen. Das ist ein massives Problem f\u00fcr Gesch\u00e4ftsmodelle. Welche Art von Regulierung wird notwendig, welche kommerziellen Vereinbarungen, wie ist das mit dem Copyright? Ehrlich gesagt habe ich Medien-F\u00fchrungskr\u00e4fte noch nie zuvor so besorgt gesehen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Das ist in der Tat bedrohlich.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Es ist existentiell. Zuerst haben sie gesagt: Oh mein Gott, das Internet hat unsere Anzeigeneinnahmen gestohlen. Dann haben sie gesagt: Oh mein Gott, Twitter hat die Aufmerksamkeit von uns abgezogen. Und nun starren sie auf dieses Ding und denken: Warum in aller Welt sollte jemals wieder jemand auf meine Website kommen? Und darauf m\u00fcssen sie eine Antwort finden.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>\u201eGoogle ist vielleicht nicht mehr diese Gro\u00dfmacht, f\u00fcr die wir es gehalten haben.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>M\u00fcssen Journalisten Angst um ihre Jobs haben?<\/strong><\/p>\n<p>Medienh\u00e4user werden nicht \u00fcber Nacht verschwinden. Es wird aber mehr Produkte geben, die wie guter Journalismus aussehen werden. Wir haben hier einen toxischen Cocktail, der faszinierend, aber auch be\u00e4ngstigend ist. Dieser Cocktail besteht aus Unsicherheit, das finden Journalisten immer toll. Au\u00dferdem besteht er aus Komplexit\u00e4t, das ist spannend f\u00fcr alle intelligenten Menschen. Der dritte Bestandteil ist die Geschwindigkeit, und da gilt die alte Regel: Wir \u00fcbersch\u00e4tzen meist die kurzfristigen Folgen und untersch\u00e4tzen die langfristigen Auswirkungen. Im Laufe der 15 Jahre, in denen ich das hier mache, gab es immer wieder Leute, die so etwas gesagt haben wie: 80 Prozent der Medienmarken werden verschwinden oder 60 Prozent der Journalisten werden nicht mehr gebraucht werden oder solche Sachen. Aber heute haben wir mehr Journalismus als je zuvor.<\/p>\n<p><strong>Aber die Abh\u00e4ngigkeit von den gro\u00dfen Tech-Konzernen wird eher wachsen als schrumpfen.\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Einerseits ja. Man braucht definitiv Freunde aus dieser Tech-Welt, die einem dabei helfen, diese Dinge zu verstehen. Andererseits gibt es pl\u00f6tzlich neuen Wettbewerb. Google ist vielleicht nicht mehr diese Gro\u00dfmacht, f\u00fcr die wir es gehalten haben. Neuer Wettbewerb er\u00f6ffnet auch immer Chancen, die eigene Position neu zu verhandeln. Diese Chancen muss die Medienbranche nutzen. Ich bin hier auf wackeligem Boden, denn die JournalismAI Initiative wird von Google finanziert. Aber ich denke, weder Google noch die Politik k\u00fcmmert es wirklich, wie es den Medien geht. Vermutlich w\u00e4ren etliche Politiker froh, Journalismus w\u00fcrde verschwinden. Wir m\u00fcssen deshalb als Branche neu definieren und vermitteln, was der Mehrwert von Journalismus f\u00fcr die Menschen und die Gesellschaft ist \u2013 unabh\u00e4ngig von fr\u00fcheren Vorstellungen \u00fcber Journalismus als Institution.<\/p>\n<p><strong>Etliche Kollegen aus der Branche sagen hinter vorgehaltener Hand: \u201eZum Gl\u00fcck n\u00e4here ich mich dem Ende meiner Laufbahn, die besten Jahre des Journalismus liegen hinter uns.\u201c W\u00fcrden Sie unter den gegenw\u00e4rtigen Bedingungen und Perspektiven noch einmal Journalist werden wollen?<\/strong><\/p>\n<p>Auf jeden Fall. Es ist ein empirischer Fakt, dass man mit all den M\u00f6glichkeiten heute besseren Journalismus produzieren kann als jemals zuvor.\u00a0\u00a0<\/p>\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n<p><em>Charlie Beckett ist Professor f\u00fcr Journalismus an der London School of Economics und der Gr\u00fcndungsdirektor von Polis, einem dort beheimateten Think Tank f\u00fcr Medien und Journalismus. Er leitet das JournalismAI Project, das Journalisten aus aller Welt seit 2018 die M\u00f6glichkeit bietet, sich zu vernetzen und intensiv mit KI im Journalismus zu besch\u00e4ftigen. Vor seiner Zeit an der LSE war Beckett Fernsehjournalist und Lokaljournalist in London.\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Dieses Interview <a href=\"https:\/\/medieninsider.com\/interview-charlie-beckett-kunstliche-intelligenz\/18178\/\">erschien zuerst bei Medieninsider<\/a> am 6. September 2023.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder in der Branche spricht \u00fcber K\u00fcnstliche Intelligenz und noch niemand wei\u00df, wohin sie den Journalismus letzten Endes bringen wird. Das gilt auch f\u00fcr Charlie Beckett, wie er im Interview mit Medieninsider verr\u00e4t. Und trotzdem ist der Leiter des internationalen JournalismAI Project und Journalismusprofessor an der London School of Economics der richtige Ansprechpartner, um \u00fcber &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/lse-professor-charlie-beckett-ueber-ki-ich-habe-medien-fuehrungskraefte-nie-zuvor-so-besorgt-gesehen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eLSE-Professor Charlie Beckett \u00fcber KI: &#8222;Ich habe Medien F\u00fchrungskr\u00e4fte nie zuvor so besorgt gesehen&#8220;\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[846,764,719,171,848,52,27,351,60,769],"class_list":["post-1733","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-unkategorisiert","tag-charlie-beckett-2","tag-chat-gpt","tag-fuehrungskraefte","tag-google","tag-journalismai","tag-journalismus","tag-ki","tag-london-school-of-economics","tag-medien","tag-open-ai"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1733\/"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/"}],"about":[{"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post\/"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3\/"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments\/?post=1733"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1733\/revisions\/"}],"predecessor-version":[{"id":1735,"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1733\/revisions\/1735\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/?parent=1733"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories\/?post=1733"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags\/?post=1733"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}