{"id":1979,"date":"2025-01-11T13:11:34","date_gmt":"2025-01-11T12:11:34","guid":{"rendered":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/?p=1979"},"modified":"2025-01-11T13:11:34","modified_gmt":"2025-01-11T12:11:34","slug":"der-aufstieg-der-journalismus-influencer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/der-aufstieg-der-journalismus-influencer\/","title":{"rendered":"Der Aufstieg der Journalismus-Influencer"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-weight: 400;\">M\u00fcsste man den Zustand des Journalismus auf Basis des <a href=\"https:\/\/reutersinstitute.politics.ox.ac.uk\/digital-news-report\/2024\">Digital News Reports<\/a> von 2024 in einen Satz fassen, k\u00f6nnte man sich an Rasmus Nielsen halten, den scheidende Direktor des Reuters Institutes: \u201eDie \u00d6ffentlichkeit ist im Grunde zufrieden mit dem Journalismus\u201c, hatte Nielsen beim Launch der weltweit gr\u00f6\u00dften fortlaufenden Untersuchung zum Medienkonsum gesagt. Von einer Krise k\u00f6nne nicht die Rede sein. Zwar h\u00e4lt der Report f\u00fcr jeden etwas bereits, der Alarmstimmung sch\u00fcren m\u00f6chte: Menschen vermeiden weiterhin oft oder manchmal Nachrichten (39 Prozent geben das an), f\u00fcrchten Desinformation und vertrauen dem, was sie lesen, nicht unbedingt. Aber man hat es hier \u00fcberwiegend mit \u201eGlas-halb-leer\u201c-Interpretationen zu tun. Tats\u00e4chlich finden Nutzer im Journalismus vieles, was ihren Bed\u00fcrfnissen entspricht, ihr Vertrauen in Medienmarken ist recht stabil, und viele trauen sich zu, den Wahrheitsgehalt von Nachrichten einordnen zu k\u00f6nnen.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Prognose f\u00fcr diejenigen, die mit eben diesem Journalismus Geld verdienen m\u00fcssen, f\u00e4llt hingegen weniger g\u00fcnstig aus. Die Zahlungsbereitschaft f\u00fcr journalistische Produkte stagniert im weltweiten Durchschnitt bei etwa 17 Prozent (in Deutschland sind es 13); im vergangenen Jahrzehnt hat sich der Wert kaum bewegt. Ein sinkender Anteil von Menschen steuert Medienmarken direkt \u00fcber Websites oder Apps an, was mit der Aussicht auf die neue KI-Wirklichkeit besonders beunruhigend ist, wo Suchergebnisse von Sprachmodellen generierte Texte statt Links zutage f\u00f6rdern werden. Bei unter 35-J\u00e4hrigen nehmen sogar nur noch 14 Prozent den direkten Weg, weitere vier Prozent konsumieren Nachrichten \u00fcber Newsletter. Daf\u00fcr konsumieren immer mehr Nutzende News-Videos \u00fcber Tik Tok und YouTube, was Verlage bekanntlich nicht monetarisieren k\u00f6nnen. Der Trend, dass die ganz Gro\u00dfen das Gesch\u00e4ft f\u00fcr sich entscheiden, d\u00fcrfte sich fortsetzen, und hinzu kommt eine weitere Entwicklung: Einzelne prominente Journalismus-Influencer ziehen zum Teil mehr Aufmerksamkeit auf sich, als dies Medienmarken schaffen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer Letzteres als einen Sieg der Medien-Vielfalt feiert, freut sich wom\u00f6glich zu fr\u00fch. Analysiert wurden die M\u00e4rkte USA, Gro\u00dfbritannien, und Frankreich, und bis auf eine Ausnahme haben alle diese vom Publikum genannten Einzelk\u00e4mpfer eines gemeinsam: Es sind M\u00e4nner. W\u00e4hrend die Redaktionen von den Volont\u00e4rs-Jahrg\u00e4ngen bis in die Chefetagen zunehmend weiblicher werden, zeichnet sich beim Nutzerverhalten ein Muster ab, das den Aufstieg der Populisten in der politischen Welt spiegelt: Etliche Menschen vertrauen der starken Stimme mehr als den vielen, denen vor allem die Marke ihrer Organisation Autorit\u00e4t verleiht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Beobachter, zu denen auch die Experten auf dem Launch-Panel geh\u00f6rten, erkl\u00e4ren sich das damit, dass Authentizit\u00e4t ein zunehmend gefragter Wert ist. Dies gaben auch etliche f\u00fcr den Digital News Report befragte Nutzer zu Protokoll. Dass Video-Formate immer beliebter werden, erkl\u00e4rt sich zu einem Teil ebenfalls daraus. Die im M\u00e4rz ver\u00f6ffentlichte qualitative FT Strategies Studie \u201e<a href=\"https:\/\/www.next-gen-news.com\/\">Next Gen News<\/a>\u201c hatte ergeben, dass gerade j\u00fcngere Menschen Journalismus-Influencern mehr vertrauen als traditionelle Medienmarken, die ihnen nicht mehr so viel sagen wie der Generation ihrer Eltern und Gro\u00dfeltern. Diese Pers\u00f6nlichkeits-Marken helfen ihnen beim Navigieren in einer zunehmend un\u00fcbersichtlichen Informationswelt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie \u201eauthentisch\u201c diese Meinungsmacher wirklich sind, und vor allem, wie sauber sie arbeiten, wenn sie sich keiner redaktionellen Kontrolle unterziehen m\u00fcssen, erweist sich von Fall zu Fall. Medienh\u00e4user begeben sich deshalb in einen Spagat. Sie sollen Stars rekrutieren oder aufbauen und pflegen, w\u00e4hrend sie alle anderen bei Laune halten m\u00fcssen. Das ist nicht g\u00e4nzlich neu, kann aber zu einer schwierigen \u00dcbung werden, wenn es um Teamgeist und die zunehmend wichtigeren Aufgaben geht, die vielen Mitarbeitenden kein Rampenlicht versprechen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dass Journalismus im Leben vieler Menschen einen Platz hat, ist zun\u00e4chst einmal eine beruhigende Erkenntnis aus diesem Report. Dass ihnen die Organisationen weniger bedeuten, die ihn mit viel Aufwand und unter gro\u00dfem Einsatz von Ressourcen produzieren, bereitet jedoch vielen in der Branche Sorgen. Und so gehen auch die Bewertungen dazu weit auseinander, was K\u00fcnstliche Intelligenz f\u00fcr das Metier bedeuten k\u00f6nnte. F\u00fcr den EBU News Report \u201e<a href=\"https:\/\/www.ebu.ch\/guides\/open\/report\/news-report-2024-trusted-journalism-in-the-age-of-generative-ai\">Trusted Journalism in the Age of Generative AI<\/a>\u201d von 2024 haben wir mit Dutzenden Medien-F\u00fchrungskr\u00e4ften gesprochen. Die meisten betonten die M\u00f6glichkeiten, die KI f\u00fcr die redaktionelle Arbeit er\u00f6ffnet. Auf der Suche nach Gesch\u00e4ftsmodellen bleiben allerdings derzeit nur die ganz Gro\u00dfen einigerma\u00dfen locker. KI k\u00f6nnte gut f\u00fcr den Journalismus sein. F\u00fcr die Branche ist sie es h\u00f6chstwahrscheinlich nicht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Diese Kolumne erschien bei <a href=\"https:\/\/medieninsider.com\/kolumne-alexandra-borchardt-der-aufstieg-der-journalismus-influencer\/22392\/\">Medieninsider am 25. Juni 2024<\/a>. Um aktuelle Kolumnen zu lesen, braucht man ein Abo.<\/em> \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcsste man den Zustand des Journalismus auf Basis des Digital News Reports von 2024 in einen Satz fassen, k\u00f6nnte man sich an Rasmus Nielsen halten, den scheidende Direktor des Reuters Institutes: \u201eDie \u00d6ffentlichkeit ist im Grunde zufrieden mit dem Journalismus\u201c, hatte Nielsen beim Launch der weltweit gr\u00f6\u00dften fortlaufenden Untersuchung zum Medienkonsum gesagt. 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