{"id":2245,"date":"2025-12-07T17:20:34","date_gmt":"2025-12-07T16:20:34","guid":{"rendered":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/?p=2245"},"modified":"2025-12-07T17:20:34","modified_gmt":"2025-12-07T16:20:34","slug":"bye-bye-blue-link-medienmarken-brauchen-fans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/bye-bye-blue-link-medienmarken-brauchen-fans\/","title":{"rendered":"Bye-bye, blue Link: Medienmarken brauchen Fans"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der j\u00e4hrliche World News Media Congress der Wan-Ifra ist ein Ort f\u00fcr zwei Gruppen. Da gibt es diejenigen, die sich bei ihren Buddys aus anderen Verlagen vergewissern wollen, dass sie ruhig noch ein paar Gewinne aus dem Printgesch\u00e4ft mitnehmen und Social Media ihren \u201ejungen Digitalen\u201c \u00fcberlassen k\u00f6nnen. Und dann sind da die anderen, die von \u2013 \u00fcberwiegend angels\u00e4chsischen \u2013 Top-Marken der Branche lernen wollen, damit sie im Innovationsrennen irgendwo im guten Mittelfeld mithalten k\u00f6nnen. Jeder h\u00f6rt vor allem das, was er h\u00f6ren will. Aber selbst Experten der kognitiven Dissonanz muss es schwergefallen sein, von der diesj\u00e4hrigen Veranstaltung in Krakau ohne diese eine Botschaft abzureisen: \u201eHolt die Nutzer direkt auf eure Plattformen, und zwar schnell.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sp\u00e4testens in drei Jahren sei es so weit, prognostizierten selbst Fachleute, die sich auf Suchmaschinen-Optimierung spezialisiert haben: Der ganze Traffic, den Google und Co. Medienmarken in den vergangenen Jahrzehnten im Digitalen zugesp\u00fclt haben, werde versiegen. \u201eBye-bye, blue Link\u201c, formulierte es Lisa MacLeod von FT Strategies <a href=\"https:\/\/24982124.fs1.hubspotusercontent-eu1.net\/hubfs\/24982124\/PDF%20documents\/FT%20Strategies%20Ten%20Things%20for%20Execs%20to%20do%20when%20they%20get%20back%20from%20Krakow.pdf?utm_content=387051738&amp;utm_medium=social&amp;utm_source=linkedin&amp;hss_channel=lcp-30705790\">in einer viel beachteten Keynote<\/a>. \u201eBereiten Sie sich auf den gro\u00dfen Plattform-Reset vor.\u201c Zwar hat das Wachstum von KI-Suchen \u00fcber ChatGPT derzeit den Effekt, dass die Zahl der Google-Suchanfragen steigt \u2013 wom\u00f6glich, weil Nutzer Ergebnisse verifizieren wollten, vermuten Fachleute. Aber es werde immer weniger zur Original-Quelle durchgeklickt. Schon jetzt sei \u201eStagnation das neue Wachstum\u201c, sagte Carly Steven, SEO-Leiterin bei der britischen <em>Daily Mail<\/em>. Das ist vor allem f\u00fcr kleinere Verlage ein Problem, denn ein Gro\u00dfteil der Besucher ihrer Webseiten werden \u00fcber Google dorthin gelotst. Aber auch f\u00fcr sie ist es h\u00f6chste Zeit, direkte Verbindungen zu ihren Nutzern aufzubauen.<\/p>\n<h2>Sp\u00e4testens jetzt kommt der Moment, in dem die &#8222;jungen Digitalen&#8220; und die Veteranen des Verlags- und Journalismus-Gesch\u00e4fts voneinander lernen k\u00f6nnen<\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nur, wie geht das? Wie begeistert man Menschen f\u00fcr seine Marke und etabliert damit jene loyalen Beziehungen, <a href=\"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/print-hat-gewonnen-warum-die-zeitung-stirbt-und-trotzdem-ueberlebt\/\">die im Print-Zeitalter selbstverst\u00e4ndlich gewesen sind<\/a>? Sp\u00e4testens jetzt kommt der Moment, in dem die \u201ejungen Digitalen\u201c (von denen einige mittlerweile in die Jahre gekommen sind) und die Veteranen des Verlags- und Journalismus-Gesch\u00e4fts voneinander lernen k\u00f6nnen. Die einen k\u00f6nnen sich ein paar Tipps zur Beziehungspflege abholen, die anderen k\u00f6nnen sich anschauen, wie man diese digital unterst\u00fctzt \u2013 auch mit Hilfe von KI-Werkzeugen. Hier folgen ein paar Erkenntnisse vom World News Congress, die in einer von KI gepr\u00e4gten Informations- und Medienwelt zentral f\u00fcr Erfolg sein werden:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Erstens, es geht um Strategie.<\/em> Ganz gleich welche Technologie oder Plattform Medienh\u00e4user verwenden, ob sie KI-getrieben sind oder nicht, sie werden nur den Unternehmen etwas n\u00fctzen, die ihre Mission definiert haben, ihr Publikum und dessen Bed\u00fcrfnisse kennen und Erfolge messbar machen. Und wer eine Strategie hat, sollte sie verfolgen und sich den Alltag nicht mit all den Dingen zusch\u00fctten, die man schon immer gemacht hat. Gezieltes \u201eStop doing\u201c ist ebenso wichtig wie etwas Neues anzuschieben. Das gilt auch f\u00fcr den Journalismus. FT Strategies hat ermittelt, dass im Schnitt nur 20 Prozent aller Artikel auf Nachfrage sto\u00dfen, \u201eder Rest ist Ger\u00e4uschkulisse\u201c, so MacLeod. Die <em>New York Times<\/em> misst deshalb \u201eengaged clicks\u201c, also diejenigen St\u00fccke, auf denen die Nutzer 30 Sekunden oder l\u00e4nger verharren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Zweitens, es geht um direkte, loyale und langlebige Beziehungen.<\/em> Medienh\u00e4user m\u00fcssen alles daransetzen, ihren Konsumenten mehr Gr\u00fcnde zu geben, direkt auf ihre Website zu gehen, die App herunterzuladen, ihre Produkte zu abonnieren oder Ihre Veranstaltungen zu besuchen \u2013 und dort zu verweilen. Nutzer zu haben, reicht nicht mehr, Medienmarken brauchen Fans. Wie einst beim Zeitungskonsum oder heute beim Bingen auf Netflix muss das Vorbeischauen zur Gewohnheit werden. Schon Zeitungen wurden dabei aus einer Reihe von Gr\u00fcnden gekauft, nicht nur f\u00fcr die Nachrichten. Es hat erstaunlich lange gedauert, bis digitale Marken vom Kreuzwortr\u00e4tsel gelernt haben und nun auch Spiele anbieten \u2013 selbst <em>Der Spiegel<\/em> macht das heute mit recht gro\u00dfem Erfolg.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Drittens, es geht um die Marke \u2013 denn da liegt das Vertrauen.<\/em> In der Branche wird oft angenommen, Transparenz schaffe Vertrauen. Das gilt allerdings nur bedingt. Leser wollen sich im Alltag nicht stundenlang \u00fcber die Glaubw\u00fcrdigkeit einer Institution und deren Praktiken informieren. Sie wollen davon ausgehen k\u00f6nnen, dass eine Redaktion kompetente Mitarbeiter einstellt, Informationen \u00fcberpr\u00fcft und ethische Ma\u00dfst\u00e4be an die Nutzung von KI anlegt, sie wollen es nicht in jedem einzelnen Schritt nachvollziehen m\u00fcssen. Vertrauen ist eine Abk\u00fcrzung, mit der Menschen Zeit und M\u00fche sparen. Medienh\u00e4user sollten sich deshalb klar herausstellen, welchen Wert ihre Marke verspricht. Das gilt \u00fcbrigens auch f\u00fcr Personenmarken. Creator, die ihren Job gut machen, vermitteln ihrem Publikum genau, was es bekommt und was nicht. Vom Ton der Ansprache bis hin zur Fachkompetenz und Pers\u00f6nlichkeit enth\u00e4lt eine Marke ein Paket. Junge Menschen zu begeistern, ist dabei besonders anspruchsvoll, denn sie sind Marken gegen\u00fcber weniger loyal. Wer die nachwachsenden Generationen binden m\u00f6chte, muss sich deshalb besonders genau mit deren Bed\u00fcrfnissen besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<h2>Ein Gro\u00dfteil der politischen Polarisierung wird durch die Kluft zwischen Stadt und Land angeheizt<\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Viertens, es geht um Emotionen.<\/em> Die Herausforderungen der digitalen Welt liegen eher in einem Zuviel als einem Zuwenig. Es gibt zu viele Angebote, Ablenkungen und zu viel Personalisierung und damit Vereinzelung, zu wenig Gelegenheiten f\u00fcr Fokus, Orientierung und Zusammenhalt. Liesbeth Nizet, Head of Future Audiences Monetisation des belgischen Konzerns Mediahus formulierte es mit Blick auf junge Leute so: \u201cWie bleiben wir relevant im Leben einer Generation, die von Wahlm\u00f6glichkeiten \u00fcberfordert ist?\u201d In einem solchen Meer der M\u00f6glichkeiten sind Signale wichtig, die emotionale Reaktionen ausl\u00f6sen. Sich verbunden zu f\u00fchlen ist ein menschliches Bed\u00fcrfnis, deshalb steht Authentizit\u00e4t so hoch im Kurs (auch wenn sie zuweilen vorget\u00e4uscht sein mag). Auch deshalb seien Video-Formate so nachgefragt, sagte Upasna Gautam, bis vor kurzem bei CNN. Das Erfolgsrezept f\u00fcr Videos sei \u201eEmotion plus Klarheit plus Vertrauen\u201c. \u00a0<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Viertens, es geht um Orte<\/em>. In einer globalisierten, manchmal verwirrenden Welt suchen viele Menschen nach Sinn und menschlichen Verbindungen dort, wo sie leben. Ein Gro\u00dfteil der politischen Polarisierung wird durch die Kluft zwischen Stadt und Land angeheizt: Menschen, die au\u00dferhalb der politischen Zentren wohnen, f\u00fchlen sich in \u00f6ffentlichen Debatten und politischen Entscheidungen oft nicht vertreten. Es gibt deshalb ein Potenzial f\u00fcr exzellente Geschichten abseits der Schaltstellen der Macht. Der klassische Lokaljournalismus l\u00e4sst sich dabei weiterentwickeln. Fabrice Bakhouche, CEO von Sipa-Ouest-France, sieht zum Beispiel Potenzial in lokalen oder hyperlokalen Geschichten im regionalen Fernseh-Markt \u2013 zumal der digitale Streaming-Markt weniger abh\u00e4ngig von Google sei als k\u00fcrzere Formate. \u201cViele Menschen in unserer Region haben das Gef\u00fchl: Fernsehen wird in Paris gemacht von Menschen, die in Paris wohnen.\u201d Paris l\u00e4sst sich in diesem Fall beliebig ersetzen. \u00a0<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>F\u00fcnftens, es geht um Journalismus.<\/em> Das gro\u00dfe Thema der Zukunft wird nicht KI sein. Es wird der Journalismus sein. Was liefert die Medienbranche, das KI allein nicht anbieten kann? Wie l\u00e4sst sich KI nutzen, um Journalismus zu produzieren, der mehr ist als Content, der Grundbed\u00fcrfnisse der Menschen erf\u00fcllt? Im KI-Zeitalter gilt es umso mehr, eine Journalismus-Strategie zu entwickeln und in diese zu investieren. Das ist eine Kernbotschaft aus dem neuen EBU News Report \u201e<a href=\"https:\/\/www.ebu.ch\/guides\/open\/report\/news-report-2025-leading-newsrooms-in-the-age-of-generative-ai\">Leading Newsrooms in the Age of Generative AI<\/a>\u201c (ich bin dessen Autorin). Die Intendantin des Schwedischen Fernsehens, Anne Lagercrantz, brachte es in einem Interview daf\u00fcr auf den Punkt: \u201eWir m\u00fcssen den Journalismus in der Wertsch\u00f6pfungskette nach oben bringen hin zu mehr investigativer Recherche, Verifizierung und Premium-Inhalten.\u201c Absehbar ist, dass die KI-gest\u00fctzte Suche einige Angebote abl\u00f6sen wird, die den Medien in der Vergangenheit loyale Nutzer gebracht haben \u2013 das gilt zum Beispiel f\u00fcr Service-Themen. Was KI hingegen noch nicht (gut) k\u00f6nne, seien Live-Berichterstattung, Lokales, Meinung und Kolumnen \u2013 so die Einsch\u00e4tzung verschiedener Experten auf dem World News Congress. F\u00fcr eine Kolumnistin ist das erst einmal eine gute Nachricht.\u00a0<\/p>\n<p><em>Diese Kolumne erschien bei <a href=\"https:\/\/medieninsider.com\/kolumne-alexandra-borchardt-bye-bye-blue-link-medienmarken-brauchen-fans\/25684\/\">Medieninsider am 15. Mai 2025<\/a>. Um dort neue und \u00e4ltere Kolumnen zu lesen, braucht man ein Abo.\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0<\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der j\u00e4hrliche World News Media Congress der Wan-Ifra ist ein Ort f\u00fcr zwei Gruppen. Da gibt es diejenigen, die sich bei ihren Buddys aus anderen Verlagen vergewissern wollen, dass sie ruhig noch ein paar Gewinne aus dem Printgesch\u00e4ft mitnehmen und Social Media ihren \u201ejungen Digitalen\u201c \u00fcberlassen k\u00f6nnen. 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