{"id":2320,"date":"2026-02-17T17:03:48","date_gmt":"2026-02-17T16:03:48","guid":{"rendered":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/?p=2320"},"modified":"2026-02-17T17:03:49","modified_gmt":"2026-02-17T16:03:49","slug":"digital-news-report-2025-sechs-erkenntnisse-fuer-optimisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/digital-news-report-2025-sechs-erkenntnisse-fuer-optimisten\/","title":{"rendered":"Digital News Report 2025: Sechs Erkenntnisse f\u00fcr Optimisten"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer in der Medienbranche t\u00e4tig ist und seinen Pessimismus f\u00fcttern m\u00f6chte, dem macht es der <a href=\"https:\/\/www.digitalnewsreport.org\/\">Digital News Report<\/a> 2025 leicht: Influencer verdr\u00e4ngen etablierte Medienmarken, noch nie waren Nutzer so nachrichtenm\u00fcde, und es ist immer aufw\u00e4ndiger (und teurer), das Publikum zu erreichen, weil es sich auf noch mehr Plattformen verteilt \u2013 auch sortiert nach politischen Pr\u00e4ferenzen und Bildungsgrad. Willkommen in der Journalismus-Tristesse des Propaganda-Zeitalters! M\u00f6chte man dem Journalismus jedoch eine Zukunft bahnen, hilft nur die Optimisten-Brille. Und durch diese sieht die ganze Medienwelt schon deutlich freundlicher aus. Hier ein paar mutmachende Erkenntnisse aus jener Publikation des Reuters Institutes for the Study of Journalism an der University of Oxford, an deren Material sich Medienleute gerne abarbeiten:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Erstens, das Vertrauen in etablierte Medien ist stabil.<\/em> Das gilt seit drei Jahren f\u00fcr den weltweiten Durchschnitt \u2013 dieses Mal erfasst der Report etwa 100 000 Online-Nutzer in 48 M\u00e4rkten \u2013 aber auch f\u00fcr Deutschland, wo k\u00fcrzlich die <a href=\"https:\/\/medienvertrauen.uni-mainz.de\/files\/2025\/05\/Langzeitstudie-MV-2024.pdf\">Langzeitstudie Medienvertrauen<\/a> der Universit\u00e4t Mainz \u00e4hnliche Werte erfasst hat. Ja, vor zehn Jahren sah es in Deutschland noch besser aus. Aber der Wert liegt aktuell bei 45 Prozent (Mainzer Studie: 47 Prozent) und kann sich damit im internationalen Vergleich sehen lassen. Wie auch anderswo schneiden vor allem die \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender gut ab. Au\u00dferdem registrieren die Forscher, dass sich Nutzer aller Altersgruppen bevorzugt den traditionellen Medienmarken zuwenden, wenn sie am Wahrheitsgehalt von Informationen zweifeln. Die immer gerne bem\u00fchte Erz\u00e4hlung des schwindenden Medienvertrauens l\u00e4sst sich also auch in diesem Jahr nicht belegen \u2013 wobei <a href=\"https:\/\/medieninsider.com\/kolumne-alexandra-borchardt-warum-vertrauen-in-medien-als-messgroesse-wenig-nuetzt\/17325\/\">Medienvertrauen und Mediennutzung verschiedene Dinge<\/a> sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Zweitens, das Publikum auf eigene Plattformen holen \u2013 das kann man schaffen.<\/em> Zumindest beweisen das die Norweger, Schweden und Finnen. Die \u00f6ffentlich-rechtlichen Anbieter dort haben stark in ihre eigenen Video-Plattformen investiert und sind sehr restriktiv beim Posten ihrer Inhalte auf Plattformen wie YouTube oder X. Der finnische Sender Yle zieht so mittlerweile mehr Nutzer auf seine Plattform als alle anderen Anbieter in Finnland zusammen. Die Study-Tour-Ausfl\u00fcge vieler Medienschaffender nach Skandinavien sind also berechtigt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Drittens, Journalisten k\u00f6nnen vom Influencer-Trend profitieren und erfolgreich gr\u00fcnden.<\/em> Der Franzose Hugo Travers (Hugodecrypte) erreicht in Frankreich mittlerweile genauso viele Nutzer im Alter von bis zu 35 Jahren wie etablierte Medienmarken: 22 Prozent von ihnen gaben an, in der vorangegangenen Woche etwas von ihm geh\u00f6rt zu haben. Das Publikum sch\u00e4tzt die (vermeintliche) Authentizit\u00e4t und Nahbarkeit von solchen Personenmarken. Wasser im Wein: Davon haben bislang viele Demagogen des politisch rechten Spektrums profitiert, die Grenze zwischen Journalismus und Meinungsmache ist flie\u00dfend. Eine Recherche der Nachrichtenagentur AFP hat ergeben, dass Politiker in Nigeria und Kenia eigens Influencer angestellt haben, um L\u00fcgen-Botschaften zu verbreiten. \u00a0\u00a0<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Viertens, die Zahlungsbereitschaft bleibt stabil \u2013 und es gibt Luft nach oben.<\/em> Okay, die Quote derjenigen, die f\u00fcr digitalen Journalismus zahlen, liegt bei durchschnittlich18 Prozent \u2013 das d\u00fcrfte ruhig h\u00f6her sein. Man kann es aber auch ordentlich finden, dass trotz aller Gratis-Angebot im Netz etwa jeder F\u00fcnfte bewusst f\u00fcr Journalismus Geld \u00fcbrig hat \u2013 in Deutschland liegt der Wert bei 13 Prozent. Die Forscher halten den Abo-Markt noch l\u00e4ngst nicht f\u00fcr ausgesch\u00f6pft. Dort, wo das Zahlen bereits einge\u00fcbte Praxis sei, komme es auf Intelligentes B\u00fcndeln von Angeboten und interessantere Preismodelle an, die verschiedenen Nutzer-Typen gerecht w\u00fcrden. In Deutschland ragen \u00fcbrigens Regional- und Lokalzeitungen mit ihren Abo-Quoten im internationalen Vergleich heraus. Einerseits sei dies ein Ausdruck des F\u00f6deralismus und der Ortsverbundenheit vieler Nutzer, spekulieren die Forscher. Andererseits d\u00fcrften Projekte wie das Daten-Pooling in Drive oder Wan-Ifra\u2019s Table Stakes Europe auch zu dem Erfolg beigetragen haben; sie ermutigen Erfahrungsaustausch, Vernetzung und einen Fokus auf Zielgruppen und Nutzerbed\u00fcrfnisse.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>F\u00fcnftens, Text lebt \u2013 besonders in hiesigen Breiten.<\/em> Ja, es gibt hochangesehene Fachleute, die auf KI-Konferenzen prognostizieren, dass die Zukunft des Journalismus im Chat liegt \u2013 und zwar im gesprochenen. Menschen w\u00fcrden lieber reden und h\u00f6ren als schreiben und lesen, hei\u00dft es dann. Anderswo klagen Medienleute, dass die jungen Nutzer ohnehin nur kurzen Videos folgen, wenn sie dem Journalismus \u00fcberhaupt Aufmerksamkeit schenken. Die Zahlen belegen diese Behauptungen nicht. Text ist f\u00fcr 55 Prozent der Nutzer weltweit immer noch das wichtigste Format. Das ist in einigen L\u00e4ndern Asiens oder Afrikas anders, was auch mit der sp\u00e4teren Alphabetisierung zu tun haben k\u00f6nnte. Aber es lohnt sich f\u00fcr hiesige Medienh\u00e4user auf jeden Fall weiterhin, in erstklassige Texte zu investieren. Dass junge Leute auch lange Podcasts gerne h\u00f6ren oder bei Serien mit dem Bingen gar nicht aufh\u00f6ren k\u00f6nnen, ist hinreichend belegt. Nur eines funktioniert schon heute nicht und wird dies immer weniger tun, je mehr KI ordentliche Qualit\u00e4t liefert: der schlechte Text.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Sechstens, das Publikum ist schlauer, als viele Journalisten glauben.<\/em> Beim Einsatz von KI erwarten die Befragten zum Beispiel ziemlich genau das, was in der Branche auch prognostiziert oder bef\u00fcrchtet wird: die Produktion von Journalismus d\u00fcrfte billiger und noch schneller werden, die Faktentreue und Vertrauensw\u00fcrdigkeit abnehmen. Gerade junge Konsumenten sind skeptisch bei der Mediennutzung und verifizieren viel. In L\u00e4ndern, wie Thailand und Malaysia, wo Journalismus viel \u00fcber TikTok und Facebook konsumiert wird, ist das Bewusstsein der Nutzer gro\u00df, dass sie auf diesen Plattformen wom\u00f6glich L\u00fcgen oder Fantasie-Nachrichten aufsitzen. Wenn es um \u201eFake News\u201c geht, betrachten die Befragten mit jeweils 47 Prozent Online-Influencer und Politiker als die gr\u00f6\u00dfte Gefahr, was eine realistische Einsch\u00e4tzung sein d\u00fcrfte. Und viele Nutzer sorgen sich, dass sie wichtige Geschichten verpassen k\u00f6nnten, sollten die Medienh\u00e4user ihr Angebot st\u00e4rker personalisieren, um eben diese Nutzer zu loyalen Kunden zu machen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was sich \u00fcbrigens die Befragten weltweit vom Journalismus w\u00fcnschen: mehr Unvoreingenommenheit, Faktentreue, Transparenz und origin\u00e4re Recherchen und Reportagen. Das k\u00f6nnten Medienforscher nicht besser herausarbeiten.<\/p>\n<p><em>Diese Kolumne erschien bei <a href=\"https:\/\/medieninsider.com\/kolumne-alexandra-borchardt-digital-news-report-2025-sechs-erkenntnisse-fuer-optimisten\/25862\/\">Medieninsider am 17. Juni 2025.<\/a> Aktuelle Kolumnen dort lassen sich mit einem Abo lesen.\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer in der Medienbranche t\u00e4tig ist und seinen Pessimismus f\u00fcttern m\u00f6chte, dem macht es der Digital News Report 2025 leicht: Influencer verdr\u00e4ngen etablierte Medienmarken, noch nie waren Nutzer so nachrichtenm\u00fcde, und es ist immer aufw\u00e4ndiger (und teurer), das Publikum zu erreichen, weil es sich auf noch mehr Plattformen verteilt \u2013 auch sortiert nach politischen Pr\u00e4ferenzen &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/digital-news-report-2025-sechs-erkenntnisse-fuer-optimisten\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDigital News Report 2025: Sechs Erkenntnisse f\u00fcr Optimisten\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1006,102,1058,717,287,589,52,27,60,1059,329,153,363,1061,111,1060,703],"class_list":["post-2320","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-unkategorisiert","tag-creator","tag-digital","tag-digital-news-report-2025","tag-formate","tag-gruender","tag-influencer","tag-journalismus","tag-ki","tag-medien","tag-plattform","tag-publikum","tag-reuters-institute","tag-studie","tag-umfrage","tag-vertrauen","tag-video","tag-zahlungsbereitschaft"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2320\/"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/"}],"about":[{"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post\/"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3\/"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments\/?post=2320"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2320\/revisions\/"}],"predecessor-version":[{"id":2321,"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2320\/revisions\/2321\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/?parent=2320"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories\/?post=2320"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags\/?post=2320"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}