{"id":2559,"date":"2026-07-31T15:37:46","date_gmt":"2026-07-31T13:37:46","guid":{"rendered":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/?p=2559"},"modified":"2026-07-31T15:37:47","modified_gmt":"2026-07-31T13:37:47","slug":"diese-management-klassiker-sollte-jeder-medienmacher-kennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/diese-management-klassiker-sollte-jeder-medienmacher-kennen\/","title":{"rendered":"Diese Management-Klassiker sollte jeder Medienmacher kennen"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-weight: 400;\">Studierende nehmen es meist klaglos hin, dass man ihnen in die Jahre gekommene Quellen als Lesestoff aufdr\u00fcckt. Und gar nicht mal so selten verwandelt sich im Laufe des Semesters Akzeptanz in \u00dcberraschung: Wie kann es sein, denken sie dann, dass Werke aus dem vergangenen Jahrhundert tats\u00e4chlich relevant f\u00fcr das KI-Zeitalter und die digitale Wirtschaft sind, obwohl keiner der Autoren die App Economy, agile Methoden oder den Begriff VUCA (kurz f\u00fcr <em>volatility<\/em>,<em>uncertainty,<\/em> <em>complexity<\/em> und <em>ambiguity<\/em>) kannte?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In der Medienbranche ist die Affinit\u00e4t zu akademischen Traktaten aus analoger Vorzeit allerdings noch deutlich geringer als in der Studentenschaft. Dabei h\u00e4tten die Arbeiten von Management-Forschern wie Clayton Christensen, John Kotter oder CK Prahalad den heutigen Populationen der C-Etagen viel zu sagen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer also auf Konferenz-Panels oder in Strategie-Sitzungen punkten m\u00f6chte, k\u00f6nnte in einschl\u00e4gigen Werken schon vorher finden, was Berater ihr oder ihm demn\u00e4chst als L\u00f6sungen f\u00fcr die Herausforderungen der Branche teuer verkaufen m\u00f6chten. (Nat\u00fcrlich kann man dazu KI-Tools befragen, aber die liefern bekannterma\u00dfen umso besser, desto kundiger man sie promptet.) Wen also lohnt es sich zu kennen von den Eminenzen aus dem Management-Regal? Hier eine zweifellos ausbauf\u00e4hige Liste:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zun\u00e4chst w\u00e4re da <em>Clayton Christensen. <\/em>1997 erschien sein \u201eThe Innovator\u2019s Dilemma\u201c, das Standardwerk zur Theorie der Disruption. Wer jetzt das <em>User Needs<\/em> Modell als revolution\u00e4r feiert, h\u00e4tte bei Christensen schon um einiges fr\u00fcher das <em>Jobs to be done<\/em>-Konzept entdecken k\u00f6nnen \u2013 erl\u00e4utert hat er es <a href=\"https:\/\/niemanreports.org\/breaking-news\/\">2012 f\u00fcr <em>Nieman Reports<\/em> mit speziellem Fokus auf die Medienbranche<\/a>. Kurz gesagt: Produkte m\u00fcssen vom Kunden-Bed\u00fcrfnis her gedacht werden. Der fr\u00fch verstorbene Gro\u00dfdenker der Harvard Business School hat dargelegt, warum gerade gute Manager disruptive Produkte und Technologien oft \u00fcbersehen (weil sie sich zu stark auf ihre zahlungskr\u00e4ftigsten Kunden konzentrieren) und wie man sich am besten f\u00fcr die Zukunft wappnet (f\u00fcrs Lernen planen, nicht f\u00fcr den Plan). \u00a0<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer sich immer wieder dar\u00fcber wundert, warum das mit der Transformation so ruckelt, k\u00f6nnte bei <em>John Kotter<\/em> f\u00fcndig werden. In \u201eLeading Change\u201c hat er dargelegt, welche acht Grundbedingungen gegeben sein m\u00fcssen, um vom Plan zur Verwirklichung zu kommen. Man kann sich auch mit seinem Text \u201e<a href=\"https:\/\/hbr.org\/1995\/05\/leading-change-why-transformation-efforts-fail-2\">Why Transformation Efforts Fail<\/a>\u201c (1995) begn\u00fcgen \u2013 und dann die Umkehrschl\u00fcsse daraus ziehen. Nat\u00fcrlich gibt es diverse <em>Change<\/em> Theorien, aber Kotters acht Schritte \u2013 vom Schaffen von Dringlichkeit \u00fcber die Koalition der Willigen bis hin zum Verankern einer neuen Kultur \u2013 lassen sich auf praktisch jeden Ver\u00e4nderungsprozess anwenden.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In unseren Breiten nur in Fachkreisen bekannt ist <em>CK Prahalad<\/em>, ein ehemaliger Professor an der Universit\u00e4t Michigan, dem die Management-Forschung viel verdankt. Sein gro\u00dfes Thema \u2013 gepr\u00e4gt von seiner indischen Herkunft \u2013 war \u201eachieving more with less\u201c, mit weniger mehr erreichen. Statt von der Gegenwart auf die Zukunft zu schlie\u00dfen und daf\u00fcr immer mehr Ressourcen zu fordern, m\u00fcssten Unternehmen Techniken entwickeln, um eine m\u00f6gliche Zukunft zu antizipieren und idealerweise mitzugestalten. Mit seinem Co-Autor <em>Gary Hamel<\/em> legte er das 1994 in dem Buch \u201eCompeting for the Future\u201c dar. Von Prahalad stammt auch das Konzept der <em>dominant logic<\/em>: In jedem Unternehmen, jeder Branche gebe es ungeschriebene Gesetze, nach denen die Gesch\u00e4fte funktionieren \u2013 zumindest erz\u00e4hlt man es sich dort so. Diese Grundannahmen m\u00fcssten sich Manager bewusst machen und jeweils in Frage stellen. Der Zusammenprall zwischen den Print- (Abo) und Digital- (kostenlos) Logiken, der Machtk\u00e4mpfe in vielen Medienh\u00e4usern lange pr\u00e4gte, h\u00e4tte sich damit leicht erkl\u00e4ren lassen. Ebenso prallen die zwei Denkschulen aufeinander, die Journalismus entweder vom Nutzer her oder vom Journalisten her entwickeln. Wer die <em>dominant logic<\/em> der jeweils anderen Seite kennt, kommt gleich besser damit klar. \u00a0<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Von Prahald, der 2010 starb, stammen zwei weitere Schl\u00fcsselkonzepte, die wertvoll f\u00fcr die Medienbranche h\u00e4tten sein k\u00f6nnen \u2013 h\u00e4tte man sie fr\u00fcher ber\u00fccksichtigt. Zum einen war <em>Co-Creation<\/em> in Zusammenarbeit mit den Kunden f\u00fcr ihn ein sich abzeichnendes Paradigma der digitalen Welt \u2013 das erkannte er lange vor dem Aufstieg von TikTok und Co.. Firmen m\u00fcssten daf\u00fcr die Steuerung ein St\u00fcck weit abgeben, argumentierte er. F\u00fcr den Journalismus ist es dabei entscheidend, Co-Creation nicht nur als Ausbeutung von Kundendaten zu verstehen, wie es viele Plattform-Konzerne tun, sondern die Nutzenden in die Produktentwicklung wirklich einzubeziehen. Zum anderen pl\u00e4dierte Prahalad daf\u00fcr, die Menschen am unteren Ende der sozialen Pyramide ernst zu nehmen und als Marktteilnehmer zu erm\u00e4chtigen. \u201e<a href=\"https:\/\/www.strategy-business.com\/article\/11518\">The fortune at the bottom of the pyramid<\/a>\u201c (2002) sollte jenen zu denken geben, die stets nur auf zahlungskr\u00e4ftige Kunden schielen (\u201eDie anderen abonnieren uns sowieso nicht\u201c) und vergessen, dass sich M\u00e4rkte mit kosteng\u00fcnstigen Produkten verbreitern lassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer bei dieser Liste einen <em>Boys Club<\/em> wittert \u2013 zweifellos blieben die gro\u00dfen Management-Forscher fr\u00fcher nicht weniger unter sich als die Objekte ihrer Untersuchungen \u2013 \u00a0der kann sich weiter Richtung Gegenwart bewegen. In Strategie-Fragen ist man vor allem bei Rita Gunther McGrath von der Columbia University gut aufgehoben. Einige Medien-Manager, die sich auf bew\u00e4hrten Gesch\u00e4ftsmodellen lange ausgeruht haben, h\u00e4tten besser \u201eThe End of Competitive Advantage\u201c (2013) gelesen \u2013 eine Erinnerung daran, dass Wettbewerbsvorteile immer nur vor\u00fcbergehend sind und man ein Gesp\u00fcr f\u00fcr Ver\u00e4nderungen im Branchen-Umfeld entwickeln sollte.\u00a0<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im R\u00e4tselraten dar\u00fcber, ob mit KI bearbeitete Texte oder Produkte Transparenzhinweise ben\u00f6tigen, k\u00f6nnten die Arbeiten von Rachel Botsman zum Thema Vertrauen helfen. Sie argumentiert, dass komplette Transparenz auch Zweifel ausl\u00f6sen kann. Wer alles offenlegt, suggeriert wom\u00f6glich, lieber keine Verantwortung f\u00fcr sein Handeln \u00fcbernehmen zu wollen \u2013 soll der Nutzer doch selbst entscheiden. Vertrauen hingegen sei eine Abk\u00fcrzung: Man vertraue einer Marke oder einer Person, um sich eben nicht mehr mit allen Einzelheiten befassen zu m\u00fcssen. Will sagen: Wer seinen Kunden glaubw\u00fcrdig versichert, immer nach bestem Wissen und Gewissen f\u00fcr Faktentreue und Authentizit\u00e4t zu sorgen, kann sich den einen oder anderen Label sparen. \u00a0<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Chefredakteure und CEOs, die sich dar\u00fcber wundern, warum pl\u00f6tzlich so auff\u00e4llig viele Mitarbeitende von dannen ziehen und zur Konkurrenz wechseln, sind wom\u00f6glich mit Amy Edmondson gut beraten. Die Lekt\u00fcre ihres \u201eThe fearless organization\u201c lehrt einen, dass die erfolgreichsten Teams nicht etwa jene mit den meisten Stars sind, sondern diejenigen, in denen sich die Mitarbeitenden psychologisch sicher f\u00fchlen und deshalb zu Hochform auflaufen. Allerdings h\u00e4tte man das auch wissen k\u00f6nnen, ohne Management-Literatur zu studieren.<\/p>\n<p><em>Diese Kolumne <a href=\"https:\/\/medieninsider.com\/kolumne-alexandra-borchardt-diese-managementklassiker-sollte-jeder-medienmacher-kennen\/26522\/\">erschien bei Medieninsider<\/a> am 13. Oktober 2025<\/em>.\u00a0<\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Studierende nehmen es meist klaglos hin, dass man ihnen in die Jahre gekommene Quellen als Lesestoff aufdr\u00fcckt. 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