{"id":2563,"date":"2026-07-31T16:10:34","date_gmt":"2026-07-31T14:10:34","guid":{"rendered":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/?p=2563"},"modified":"2026-07-31T16:10:35","modified_gmt":"2026-07-31T14:10:35","slug":"die-creator-economy-ist-maennlich-fuer-redaktionen-ist-das-eine-chance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/die-creator-economy-ist-maennlich-fuer-redaktionen-ist-das-eine-chance\/","title":{"rendered":"Die Creator-Economy ist m\u00e4nnlich &#8211; f\u00fcr Redaktionen ist das eine Chance"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-weight: 400;\">In den F\u00fchrungsetagen von Verlagen sind News Creator das neue gro\u00dfe Ding: Ach k\u00f6nnte man doch nur ein paar dieser <em>Newsfluencer<\/em> an die eigene Marke binden, die junge Generation w\u00fcrde einen nicht l\u00e4nger ignorieren, hofft so manch ein Manager. Allerdings hat die Forschung eine unsch\u00f6ne Wahrheit zutage gef\u00f6rdert, die zum allgemeinen Diversity-Backlash passt: Die Creator-Sph\u00e4re ist eine M\u00e4nnerwelt. Ein Forscherteam des <a href=\"https:\/\/reutersinstitute.politics.ox.ac.uk\/news-creators-influencers\/2025\/mapping-news-creators-and-influencers-social-and-video-networks\">Reuters Institutes in Oxford hat Daten aus 24 L\u00e4ndern danach ausgewertet<\/a>, welche Influencer-Journalisten vom Publikum am h\u00e4ufigsten erw\u00e4hnt wurden. Ergebnis: 85 Prozent von ihnen waren M\u00e4nner. Dies betreffe vor allem jene Creator, die sich mit politischen Themen besch\u00e4ftigten, so der Report: Dort spr\u00e4chen m\u00e4nnliche Hosts \u201eoft mit anderen M\u00e4nnern in sehr gro\u00dfe Mikrophone\u201c. Macht die Creator-Economy gerade Jahrzehnte an Bem\u00fchungen um mehr weibliche Pr\u00e4senz auf journalistischen Plattformen zunichte?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Fragt man das auf B\u00fchnen einschl\u00e4giger Kongresse, erntet man betretenes Schweigen. Puh, nicht schon wieder dieses Problem \u2013 das atmet der Saal, das kann man sp\u00fcren. Hatte man sich doch gerade \u00fcber die M\u00f6glichkeit gefreut, mit Hilfe von Newsfluencern frecher, j\u00fcnger, reichweitenst\u00e4rker zu werden. Aber der Trend ist real. W\u00e4hrend in den vergangenen zehn Jahren in den Redaktionsstuben immer mehr Frauen Verantwortung \u00fcbernommen haben \u2013 mehr in der Flei\u00dfarbeit digitaler Transformation als beim Schlagabtausch auf gro\u00dfen B\u00fchnen \u2013, gilt dies nicht f\u00fcr journalistische Gr\u00fcndungen und Personenmarken. Es zeichnet sich ein Muster ab, das auch au\u00dferhalb der Medienbranche gilt: Wer als Frau gr\u00fcndet und Risikokapital sucht, treibt sich am besten auf den Feldern Mode, Lifestyle und Sch\u00f6nheit herum. Wenn es ernster wird, <a href=\"https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/fileadmin\/files\/BSt\/Publikationen\/GrauePublikationen\/Female_Founders_Monitor.pdf\">geht das Venture Capital weit \u00fcberwiegend an M\u00e4nner<\/a>. Auch das ist ein \u00c4rgernis, aber im Journalismus, der sich seit Jahren um mehr Vielfalt und bessere Repr\u00e4sentation des Publikums bem\u00fcht, stehen hier kaum erreichte Erfolge auf dem Spiel.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das kann man nat\u00fcrlich auf die Frauen schieben. \u201eHey, greift euch das Mikrophon, haltet eure Nase vor die Kamera, kann doch heute jede\u201c, h\u00f6rt man schon den einen oder anderen sagen. Aber zur traurigen Realit\u00e4t geh\u00f6rt auch: Sobald Frauen laut, meinungsstark und bestimmt werden, ist der ihnen entgegenschlagende Widerstand mit dem Wort Gegenwind nur unzureichend beschrieben. Zwar haben es auch M\u00e4nner nicht leicht, wenn sie es zum Beispiel als Investigativ-Reporter mit einflussreichen Gegnern aufnehmen. Vertritt allerdings eine Frau eine kontroverse Position, f\u00fchlen sich deutlich mehr M\u00e4nner (und Frauen) dazu berechtigt, die Hass-Maschine anzuwerfen. Nach einem im Dezember ver\u00f6ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.unwomen.org\/sites\/default\/files\/2025-12\/tipping-point-the-chilling-escalation-of-violence-against-women-in-the-public-sphere-in-the-age-of-ai-en.pdf\">Report von UN Women<\/a> haben Attacken gegen Journalistinnen und Aktivistinnen in den vergangenen f\u00fcnf Jahren nicht nur online massiv zugenommen; etliche der Befragten wurden in der Folge auch im realen Leben bedroht. Viele Reporterinnen, Redakteurinnen und weibliche Creators haben schlicht nicht die Energie daf\u00fcr, sich derart angreifbar zu machen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und der Ton wird rauer. Phil Chetwynd, AFPs Global News Editor berichtet, dass die Fakten-Checker der Agentur Berichte oft nicht mehr mit Namen zeichneten, um Attacken aus dem Weg zu gehen. Die gr\u00f6\u00dfte britische Verlagsgruppe Reach hat deshalb schon vor vier Jahren die Rolle eines Online Safety Editors geschaffen. Rebecca Whittington hilft <a href=\"https:\/\/wan-ifra.org\/2025\/03\/protecting-journalists-in-the-digital-age-an-inside-look-into-the-workings-of-the-worlds-first-online-safety-editor\/\">Kolleginnen und Kollegen dabei, mit digitalem Hass umzugehen<\/a>. Am liebsten wird sie vorbeugend t\u00e4tig: Wer zum Beispiel eine kontroverse Recherche ver\u00f6ffentlichen will, bereitet sich mit ihr gemeinsam auf m\u00f6gliche Reaktionen vor. Es gehe dann darum, pers\u00f6nliche Informationen aus dem Netz zu entfernen, bevor potenzielle Angreifer diese ausnutzen k\u00f6nnten, sagte sie k\u00fcrzlich auf dem Newsroom Summit der World Association of News Publishers (Wan-Ifra) in Kopenhagen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hier entsteht eine Dynamik, die nicht nur Journalisten, sondern allen Personen des \u00f6ffentlichen Lebens zu schaffen macht. Einerseits hei\u00dft es: Willst du dein Publikum, deine W\u00e4hler oder deine Fans an dich binden, musst du authentisch sein. Das geht damit einher, sehr pers\u00f6nlich zu werden, sich verletzlich zu machen und zum Teil recht intime Details aus dem eigenen Leben preis zu geben. Wer sich jedoch derart exponiert, macht sich und seine Familie angreifbar. Nicht selten ziehen sich die Attackierten in der Folge aus dem digitalen Leben, manchmal sogar von \u00f6ffentlichen \u00c4mtern zur\u00fcck. Wer die Creator-Economy feiert, sollte sich diese Risiken zumindest bewusst machen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber diese Kolumne w\u00e4re nicht diese Kolumne, w\u00fcrde sie keinen konstruktiven Dreh finden. Denn so bedr\u00fcckend das alles klingt: F\u00fcr Verlage schlummert hier ungenutztes Potenzial. Sie k\u00f6nnen gezielt Creators an sich binden oder solche aufbauen, die sich ohne eine starke Institution im R\u00fccken nur eingeschr\u00e4nkt an die \u00d6ffentlichkeit wagen. Vor allem Frauen haben wom\u00f6glich weniger Hemmungen, sich zu exponieren, wenn sie wissen, dass ihnen im Notfall jemand zur Seite steht. Allerdings muss dann auch jemand reagieren, oder besser noch: pr\u00e4ventiv t\u00e4tig werden. Von der Reichweite seiner Personenmarken zu profitieren, um sie im Ernstfall alleine mit Trollen ringen zu lassen, das geht nat\u00fcrlich nicht. Sophia Smith Galer, britische Influencer-Journalistin, lernte aus <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/feed\/update\/urn:li:activity:7401172608857034752\/\">einer von ihr selbst initiierten Studie<\/a>, dass der gr\u00f6\u00dfte Teil britischer Journalistinnen mit nennenswerter Pr\u00e4senz auf TikTok, YouTube oder Insta vorher bereits innerhalb von Institutionen als TV-Host oder in \u00e4hnlich prominenten Positionen Follower aufgebaut hatte. Dadurch seien sie weniger angreifbar.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was noch f\u00fcr die Einbindung von Redaktionen spricht: Nur ein verschwindend geringer Prozentsatz der Newsfluencer kann allein von seinem oder ihrem Gesch\u00e4ft leben. Und viele untersch\u00e4tzen den Energiebedarf, der n\u00f6tig ist, um tagein tagaus Videos, einen Newsletter oder Podcasts als Alleinunterhalter zu produzieren. Wenn man gesund bleibt, kann man das ein paar Jahre lang machen, aber die Ersch\u00f6pfung kommt bestimmt. Und manch eine oder einer braucht wom\u00f6glich auch aus erfreulichen Gr\u00fcnden eine Auszeit, zum Beispiel f\u00fcr Mutterschutz oder V\u00e4termonate. \u00a0Der- oder diejenige, der dann von einer Organisation aufgefangen wird, mag im Vorteil sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dazu geh\u00f6rt aber auch, dass sich Medienh\u00e4user mit all diesen Dynamiken vertraut machen und entsprechende Infrastrukturen schaffen, bevor sie Creator aufbauen oder entsprechende Kooperationen eingehen. Da geht es um vertragsrechtliche Fragen aber auch um Unternehmenskultur. Als Creator werden nur diejenigen erfolgreich sein, die mit gro\u00dfer Freiheit agieren k\u00f6nnen. Ein paar Erfahrungen aus der Vergangenheit d\u00fcrften vielen Redaktionen bei der Vorbereitung nutzen: Den Umgang mit fragilen Egos haben die meisten hinreichend trainiert.<\/p>\n<p><em>Diese Kolumne <a href=\"https:\/\/medieninsider.com\/die-creator-economy-ist-maennlich-fuer-redaktionen-ist-das-eine-chance\/26912\/\">erschien am 15. Dezember 2025<\/a> bei Medieninsider.\u00a0<\/em><\/p>\n\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den F\u00fchrungsetagen von Verlagen sind News Creator das neue gro\u00dfe Ding: Ach k\u00f6nnte man doch nur ein paar dieser Newsfluencer an die eigene Marke binden, die junge Generation w\u00fcrde einen nicht l\u00e4nger ignorieren, hofft so manch ein Manager. 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