{"id":736,"date":"2020-04-09T13:13:27","date_gmt":"2020-04-09T11:13:27","guid":{"rendered":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/?p=736"},"modified":"2020-04-09T13:13:27","modified_gmt":"2020-04-09T11:13:27","slug":"job-titel-managing-roboter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/job-titel-managing-roboter\/","title":{"rendered":"Job Titel: Managing Roboter"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Automatisierung in der Redaktion, f\u00fcr manch einen mag das nach Arbeitsplatzabbau klingen. Tats\u00e4chlich kann sie Medienh\u00e4usern beim \u00dcberleben helfen und den Journalismus verbessern. Es kommt ganz darauf an, was man damit macht. \u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Wenn Unternehmen jetzt f\u00fcr Produkte werben, die Corona im Titel tragen, stellt sich zuweilen Misstrauen ein. Schlie\u00dflich gilt: Keine Krise ohne Krisengewinnler, und nicht jeder hat das Gewinnen verdient. Brauchen Redaktionen also \u201eCorona Watch\u201c? Der Bot wertet automatisch wichtige Quellen zur Krisenlage aus und alarmiert Redakteure und Reporter \u00fcber einen Slack Channel. Die Redaktion legt vorher Quellen und Kriterien fest.<\/p>\n<p>Die Redaktion der schwedischen Tageszeitung <em>Aftonbladet<\/em>\u00a0findet: ja. Chef vom Dienst Michael Poromaa sagt, das Tool entlaste sein Team nicht nur, es verschaffe ihm auch einen Wettbewerbsvorteil. Man h\u00e4tte sonst 21 Seiten der lokalen Gesundheitsbeh\u00f6rden st\u00e4ndig selbst aktualisieren m\u00fcssen, <a href=\"http:\/\/unitedrobots.ai\/blog\/corona-watch-newsdesk-tool\">so Poromaa<\/a>. \u201eVorher waren wir oft maximal die zweiten, die \u00fcber neue F\u00e4lle berichtet hatten, jetzt sind wir die ersten.\u201c<\/p>\n<p>Entwickelt hat \u201eCorona Watch\u201c die schwedische Firma United Robots, die diverse automatisierte L\u00f6sungen f\u00fcr Redaktionen anbietet. <em>Aftonbladet<\/em> sei mit der Idee gekommen, innerhalb eines Tages habe man sie umgesetzt, sagt Cecilia Campbell. Campbell ber\u00e4t United Robots, zuvor hat die Journalistin Redaktionen f\u00fcr die World Association of News Publishers (Wan-Ifra) beim Aufbau von Bezahlangeboten unterst\u00fctzt. In Skandinavien hat man wenig Ber\u00fchrungs\u00e4ngste, was den Roboter-Journalismus angeht, im Gegenteil. \u201eWer es sich noch leisten kann Journalisten einzustellen, setzt sie lieber auf gr\u00f6\u00dfere Recherchen an\u201c, sagt Campbell. Viele einfache Aufgaben hingegen k\u00f6nne man gut an Roboter auslagern.<\/p>\n<p>Viele Verlage glauben, dass Automatisierung der Branche beim \u00dcberleben helfen kann. Stefan Aberg zum Beispiel leitet ein Team von gerade einmal zwei Dutzend JournalistInnen beim schwedischen Medienhaus VK Media. Es sei unm\u00f6glich, damit alle Kundenbed\u00fcrfnisse zu erf\u00fcllen, sagte er 2019 auf einer Konferenz. Die L\u00f6sung: \u201eWir bauen eine Armee von Robotern.\u201c Man habe Bots f\u00fcr alles M\u00f6gliche: Wetter, Verkehr, Grundst\u00fccksverk\u00e4ufe, Sportwettk\u00e4mpfe. Seitdem die Redaktion sie gro\u00dffl\u00e4chig verwende, sei die Zahl der Digital-Abonnenten um 70 Prozent gestiegen.<\/p>\n<p>Schon heute setzen Redaktionen \u00fcberall auf der Welt k\u00fcnstliche Intelligenz ein. Die gr\u00f6\u00dfte Rolle spielt sie bislang im Marketing. Bots machen Leserinnen und Lesern automatisiert Abo-Angebote oder beliefern sie mit personalisierten Inhalten. Manch einer sagt, sie <a href=\"https:\/\/www.ebu.ch\/publications\/strategic\/login_only\/report\/news-report-2019\">h\u00f6ren dem Publikum besser zu<\/a> als Journalisten, weil sie Daten entsprechend schnell auswerten k\u00f6nnen. Einige Redaktionen trauen k\u00fcnstlicher Intelligenz zu, ihre Homepages besser und vorurteilsfreier zu best\u00fccken, als sie das selbst schaffen w\u00fcrden. Die kanadische <em>Globe and Mail<\/em> zum Beispiel l\u00e4sst von Software sicherstellen, dass t\u00e4glich auch Inhalte \u201evorne\u201c spielen, die f\u00fcr Minderheiten interessant sind. Auch bei Projekten des Datenjournalismus und bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Fakten kommt Automatisierung h\u00e4ufig zum Einsatz. Manch eine Redaktion l\u00e4sst von Bots feststellen, ob das <a href=\"https:\/\/aboutus.ft.com\/en-gb\/announcements\/ft-introduces-she-said-he-said-bot-to-diversify-sources-in-articles\/\">Geschlechterverh\u00e4ltnis<\/a> der zitierten Quellen ausgewogen ist.<\/p>\n<p>Deutlich weniger Medienh\u00e4user <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2019\/02\/05\/business\/media\/artificial-intelligence-journalism-robots.html\">delegieren das Texte-Schreiben an Roboter<\/a>. Diese M\u00f6glichkeit setzen vor allem Nachrichtenagenturen ein, denn sie m\u00fcssen eine Grundversorgung bieten und deshalb viele Routine-Arbeiten erledigen. Die amerikanische AP geh\u00f6rte zu den ersten Anwendern, die Quartalsberichte von Unternehmen automatisch erstellen lie\u00df. Wo Reporter fr\u00fcher ein paar Hundert Firmen abdeckten, kommen Roboter heute auf ein paar Tausend im Vierteljahr. Die <em>Washington Post<\/em> hat ihre Wahlberichterstattung mit Hilfe von KI-Tools massiv ausgebaut.<\/p>\n<p>Droht den Redaktionen damit ein Kahlschlag? Es sagt viel \u00fcber den Zustand der Branche aus, dass nicht einmal die Gewerkschaften den Roboter-Journalismus als Teufelszeug verdammen. Job-Abbau und Sparprogramme gibt es schon seit Jahren, jetzt geht es darum zu retten, was zu retten ist. Und das schaffen Redaktionen am besten, indem sie ihre Kunden fl\u00e4chendeckend bedienen \u2013 mit exklusiven, von Reportern recherchierten Geschichten und beliebter Standardware gleicherma\u00dfen. Zu letzterer Kategorie geh\u00f6ren die lokal angepassten Wetter- und Stauberichte, um sie zu erstellen, muss niemand jahrelang zur Journalistenschule gehen.<\/p>\n<p>Je fr\u00fcher sich Redaktionen mit den M\u00f6glichkeiten von KI und Roboter-Journalismus befassen desto besser. Denn wer sich gut auskennt, l\u00e4sst sich seltener L\u00f6sungen andrehen, die kein Mensch braucht. Es geht schlie\u00dflich darum, <a href=\"https:\/\/en.ejo.ch\/comment\/we-can-use-robots-but-we-still-need-journalists\">den eigenen Journalismus besser zu machen<\/a>. Und das wird er nicht, wenn man Leserinnen und Leser nur mit Masse erdr\u00fcckt. Au\u00dferdem hilft ein Blick auf eine <a href=\"https:\/\/medium.com\/@tjrkent\/an-ethical-checklist-for-robot-journalism-1f41dcbd7be2\">Ethik-Checkliste<\/a>, wie sie der ehemalige AP-Journalist und Berater Tom Kent erarbeitet hat. KI-Journalismus ist immer nur so gut, wie die Daten sind, mit denen er gef\u00fcttert wird und die Vorgaben, die ihm gemacht werden. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>United Robots bietet \u00fcbrigens auch ein <a href=\"http:\/\/unitedrobots.ai\/sports-qa\">Tool<\/a>\u00a0f\u00fcr Sportredaktionen an. Nach dem Spiel schickt es Trainern automatisch Interview-Fragen, sie orientieren sich am Spielverlauf. Aus den Antworten bastelt der Bot einen Text. Sportreporter m\u00fcssten sich also gar nicht gro\u00df umstellen, sobald es wieder Wettk\u00e4mpfe gibt. Sie k\u00f6nnten sich weiterhin auf all die hintergr\u00fcndigen Geschichten konzentrieren, die ihnen gegenw\u00e4rtig so gut gelingen. Den Nach-dem-Spiel-Bericht schriebe Kollege Roboter. Dem Journalismus t\u00e4te das gut.<\/p>\n<p><em>Copyright: Alexandra Borchardt 2020, Beitrag f\u00fcr einen Newsletter des Digital Journalism Fellowship an der Hamburg Media School. <\/em><\/p>\n<p><em>Zum Weiterlesen:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li>Nicholas Diakopoulos, <a href=\"https:\/\/www.hup.harvard.edu\/catalog.php?isbn=9780674976986\"><em>Automating the News<\/em><\/a>, Harvard University Press, 2019.<\/li>\n<li>Noam Lemelshtrish Later (ed.), <a href=\"https:\/\/www.amazon.com\/-\/de\/dp\/9813237333\/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;keywords=robot+journalism&amp;qid=1585663204&amp;sr=8-1\">Robot Journalism: Can Human Journalism Survive?<\/a>, World Scientific, 2018<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Automatisierung in der Redaktion, f\u00fcr manch einen mag das nach Arbeitsplatzabbau klingen. Tats\u00e4chlich kann sie Medienh\u00e4usern beim \u00dcberleben helfen und den Journalismus verbessern. 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