{"id":856,"date":"2020-08-29T09:01:26","date_gmt":"2020-08-29T07:01:26","guid":{"rendered":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/?p=856"},"modified":"2020-08-29T09:01:27","modified_gmt":"2020-08-29T07:01:27","slug":"vielfalt-ist-kern-der-digitalen-transformation-zu-wenige-redaktionen-verstehen-das","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alexandraborchardt.com\/de\/vielfalt-ist-kern-der-digitalen-transformation-zu-wenige-redaktionen-verstehen-das\/","title":{"rendered":"Vielfalt ist Kern der digitalen Transformation &#8211; Zu wenige Redaktionen verstehen das"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"blog-content\">\n<p>Nat\u00fcrlich, ohne ein paar Nerds geht bei der digitalen Transformation nichts voran. Sie werden dringend gebraucht, die Kolleginnen und Kollegen, die gerne mit Software und Daten arbeiten, neue Tools und Plattformen lieben und sofort \u201ehier!\u201c rufen, wenn Tech-Konzerne wieder mal ein Produkt gelauncht haben. Taugt das etwas, um den Journalismus besser zu machen, oder ist es nur eine nette Spielerei, ein Versprechen, das allein fremde Kassen f\u00fcllt? So Nerd, so gut. Das Problem beginnt, wenn Technik der einzige Fokus der Ver\u00e4nderung bleibt. F\u00fchrungskr\u00e4fte delegieren dann die Verantwortung an entsprechende Teams, der Rest der Belegschaft f\u00fchlt sich nicht angesprochen oder traut sich vor lauter Respekt gar nicht mehr heran. Dabei ist Digitalisierung viel mehr. In ihrem Kern steht ein Kulturwandel hin zu einer vernetzten Welt. Die ist idealerweise inklusiver und bietet mehr Teilhabe als die analoge Gesellschaft, in der Kommunikation und Lernen oft nur als Einbahnstra\u00dfen funktionierten. Und ein Grundprinzip dieser neuen Welt ist Vielfalt.<br \/><br \/>Doch genau damit tun sich Medienh\u00e4user in aller Welt schwer. In der Hautfarbe zu wei\u00df, jedenfalls in den entsprechenden Regionen, in der F\u00fchrung zu m\u00e4nnlich, vor allem bei den prestigetr\u00e4chtigen Marken zu akademisiert \u2013 Redaktionen bilden mitnichten die Gesellschaften ab, denen sie eigentlich dienen sollen. Chefredakteur_innen wissen das. Die S\u00fcddeutsche Zeitung hat in ihrer Reihe <a href=\"https:\/\/projekte.sueddeutsche.de\/artikel\/digital\/digitale-projekte-2020-e651888\/\">digitale Projekte<\/a> j\u00fcngst sogar eine ganze Reihe von Gastbeitr\u00e4gen zum Thema aufgelegt, Titel: \u201eWas sich \u00e4ndern muss\u201c, gemeint ist der Journalismus. Aber bislang haben die Medienh\u00e4user in der Regel wenig daf\u00fcr getan, wie eine <a href=\"https:\/\/reutersinstitute.politics.ox.ac.uk\/our-research\/are-journalists-todays-coal-miners-struggle-talent-and-diversity-modern-newsrooms\">Studie des Reuters Instituts und der Universit\u00e4t Mainz<\/a> vom Sommer 2019 belegt, die Deutschland, Gro\u00dfbritannien und Schweden analysiert hatte. Die Neuen Deutschen Medienmacher*innen stellten \u00c4hnliches in diesem Jahr in ihrer Untersuchung zu leitenden Journalist_innen mit Migrationshintergrund fest. \u201e<a href=\"https:\/\/www.neuemedienmacher.de\/diversity-im-journalismus-pm\/\">Viel Wille, kein Weg<\/a>\u201c, lautete der Titel.<br \/><br \/>In den USA, wo man das Thema Diversit\u00e4t etwas beherzter angeht, hat sich nun der Medienkonzern Gannett zum Wandel verpflichtet. Die Muttergesellschaft der Tageszeitung USA Today und von mehr als 260 Lokalzeitungen hat sich zum Ziel gesetzt, die Belegschaft bis 2025 genauso vielf\u00e4ltig zu machen, wie das Land aussieht. \u201eGannett verpflichtet sich, eine Kultur zu schaffen, in der sich jeder Mitarbeiter sicher, akzeptiert und in seiner gesamten Identit\u00e4t gesch\u00e4tzt f\u00fchlt\u201c, sagte Konzern-Chefin Maribel Perez Wadsworth. Es geht auch um eine andere Berichterstattung: \u00fcber Themen, die Hautfarbe, ethnische Herkunft und soziale Gerechtigkeit ber\u00fchren. Noch in diesem Jahr sollen daf\u00fcr konzernweit 60 Stellen geschaffen werden, wie <a href=\"https:\/\/www.niemanlab.org\/2020\/08\/almost-every-gannett-newsroom-agrees-diversity-is-critical-to-telling-stories-its-staff-demographics-show-theres-a-lot-of-work-to-be-done\/?utm_source=Daily+Lab+email+list&amp;utm_campaign=c0d40d4d88-dailylabemail3&amp;utm_medium=email&amp;utm_term=0_d68264fd5e-c0d40d4d88-396430823\">das Nieman Lab der Harvard University berichtete<\/a>. Mit der Bekanntgabe des Ziels ver\u00f6ffentlichten die Gannett-Publikationen jeweils Statistiken dar\u00fcber, wie ihre Redaktionen zusammengesetzt sind \u2013 ein wichtiger Schritt. <br \/><br \/>Es ist nicht nur die Black-Lives-Matter-Bewegung, die in Sachen Diversit\u00e4t einiges ins Rollen gebracht hat. Nat\u00fcrlich ist Vielfalt \u201ethe right thing\u201c, das moralisch Gebotene, aber die Medienkrise versch\u00e4rft sich, und da entdeckt so manch einer auch die \u00f6konomische Logik. Auf der Suche nach Einnahmen schauen Redaktionen auf ihr Publikum und es d\u00e4mmert ihnen: Da ginge noch mehr. Beim Umbau auf einen digitalen Journalismus nach dem Konzept \u201eAudience first!\u201c wird vielen H\u00e4usern bewusst, dass ihr Journalismus ganze Gruppen ignoriert hat, auch solche, die durchaus bereit w\u00e4ren, daf\u00fcr zu zahlen. Nur hat man sich um sie bislang nicht gek\u00fcmmert. Nun n\u00e4hert man sich an. Und dabei lernen viele: \u201eAudience first\u201c ist undenkbar, ohne dass Vertreter_innen dieser Gruppen auch in irgendeiner Weise in den Redaktionen repr\u00e4sentiert sind, idealerweise auch in der F\u00fchrung. Es gilt, den richtigen Ton zu treffen, relevante Inhalte zu finden, die passenden Plattformen zu bespielen. Im Zentrum des Ganzen stehen nicht l\u00e4nger Journalistinnen und Journalisten mit ihrem Bauchgef\u00fchl und dem, was sie sich von ihren Vorg\u00e4ngerinnen und Vorg\u00e4ngern abgeguckt haben, sondern das Publikum mit seinen Bed\u00fcrfnissen und das, was man anhand von Daten \u00fcber das Publikum wei\u00df. Digitale Transformation im Journalismus bedeutet eben nicht ein Weiter wie bisher, nur mit neuen Tools. Es geht darum, Journalismus neu zu denken, n\u00e4mlich vom Nutzer her. <br \/><br \/>Ein Hexenwerk ist das Ganze nicht, es macht aber Arbeit. Zahlen erheben, Ziele setzen und nachhalten, Einstellungsverfahren professionalisieren, Diskussionskultur ver\u00e4ndern \u2013 manches r\u00fcttelt an den Grundfesten, dem Selbstverst\u00e4ndnis und muss ge\u00fcbt werden. Die Empfehlungen der Autorin sind nachzulesen in: \u201e<a href=\"https:\/\/europeanjournalists.org\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Getting-Real-About-Talent-and-Diversity-%E2%80%93-10-Recommendations-2.pdf\">Getting real about diversity and talent: ten recommendations<\/a>\u201c, einem im Januar 2020 ver\u00f6ffentlichten Report f\u00fcr die European Federation of Journalists. Wenn in Redaktionen die Erkenntnis einsickert, dass digitale Transformation und Vielfalt zusammengeh\u00f6ren wie Bericht und Kommentar, d\u00fcrfte beides etwas schneller vorangehen. \u201eDas Richtige\u201c ist es noch dazu.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"blog-content\">\n<div class=\"blog-bottom\"><em>Dieser Text erschien am <a href=\"https:\/\/www.hamburgmediaschool.com\/blog\/djf-kolumne-vielfalt-ist-kern-der-digitalen-transformation-zu-wenige-redaktionen-verstehen-das\">28. August im Newsletter<\/a> des Digital Journalism Fellowship an der Hamburg Media School.\u00a0<\/em><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich, ohne ein paar Nerds geht bei der digitalen Transformation nichts voran. Sie werden dringend gebraucht, die Kolleginnen und Kollegen, die gerne mit Software und Daten arbeiten, neue Tools und Plattformen lieben und sofort \u201ehier!\u201c rufen, wenn Tech-Konzerne wieder mal ein Produkt gelauncht haben. 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