Die andere Papier-Krise – Corona bringt die gedruckte Zeitung in Lebensgefahr

Clayton Christensen hat die Corona-Krise nicht mehr erlebt. Der Professor der Harvard Business School, der das heute so salonfähige Konzept der disruptiven Innovation entwickelt hat, starb im Januar dieses Jahres an Krebs. In seinem Buch „The Innovators Dilemma“ hatte er sich mit den Schwierigkeiten erfolgreicher Unternehmen befasst, neue Technologien nicht nur halbherzig zu integrieren, sondern ihre Geschäftsmodelle danach auszurichten und alte über den Haufen zu werfen. In einem Aufsatz mit dem Titel „Breaking News“hatte er sich auch der Medienbranche angenommen. Das war 2012.

Acht Jahre später konfrontiert die Covid-19 Pandemie die Weltwirtschaft mit einer nie dagewesenen Art der Disruption. Die Seuche, die alles auf den Kopf stellt, beschleunigt den technologischen Wandel und erzwingt Innovationen. Erst im Nachhinein wird sich herausstellen, welche davon im wahren Sinne innovativ sind, also gesellschaftliche Verbesserungen gebracht haben. Aber die Wirtschafts- und Arbeitswelt wird nach dem langsamen Erwachen aus der Krise in jedem Fall eine andere sein.

In der Medienbranche zeichnet sich jetzt schon ab: Die Zeitungshäuser, die den technologischen Wandel beherzt angegangen sind und versucht haben, ihn in ihrer Kultur zu integrieren, sind jetzt im Vorteil. In diesen Tagen, in denen die Zugriffe auf Nachrichtenangebote steigen wie nie zuvor, binden sie Abonnenten über digitale Kanäle an sich – und die Leserinnen und Leser ziehen mit. Die anderen, die die Einnahmen aus den gedruckten Ausgaben gehütet haben wie einen Schatz und deshalb eher vorsichtig beim Vermarkten digitaler Angebote waren, rufen ihre Teams jetzt zur Aufholjagd. Denn es ist absehbar, dass die Tage der gedruckten Zeitung nun noch schneller heruntergezählt werden als vor Beginn der Krise.

Anderswo wird gar nicht mehr gezählt. In Großbritannien, wo die Bürger ihre Zeitungen überwiegend am Kiosk oder im Laden kaufen oder freie Exemplare zum Beispiel in der Londoner U-Bahn mitnehmen, hat die Mediengruppe JPI angekündigt, den Druck von zwölf Titeln einzustellen. Eine Stadt wie Milton Keynes mit mehr als 200 000 Einwohnern hat dann ausgerechnet in der Krisenlage keine Tageszeitung auf Papier mehr, vor allem für alte Leser ohne digitale Verbindungen ist das schlimm. In den USA steht dies einigen Titeln ebenso bevor. Dort sind viele Lokalzeitungen in den Händen von Finanzinvestoren, die nicht lange fackeln, wenn ihnen das Geld ausgeht. Die Zahl der Nachrichtenwüsten wird zunehmen, die gar kein lokales journalistisches Angebot mehr haben.

Viele Verleger weltweit denken schon lange darüber nach, wie viel und wie oft man wirklich noch drucken muss. Nun, da Anzeigen fast komplett ausfallen und Probleme bei Produktion und Zustellung drohen, stellen sich diese Fragen in ungeahnter Brisanz. „The Corona Virus is a Media Extinction Event“, ein Ereignis, das zur Ausrottung vieler Medienmarken führen wird, schrieb Buzzfeed Reporter Craig Silverman. Hiobsbotschaften sind täglich zu erwarten, viele Journalisten wird das ihre Jobs kosten.  

In Deutschland mag das im Moment noch harmloser aussehen als anderswo. Im Gegenteil: Menschen, die daheimbleiben müssen, entdecken das Ritual des morgendlichen Zeitunglesens neu, manch eine Redaktion berichtet sogar von neuen Abo-Bestellungen für das Papier-Produkt. Allerdings dampfen die Zeitungshäuser die Umfänge bereits ein. Das liegt nicht nur am Ausfall von Anzeigenerlösen. Außerhalb des gefragten Corona-Stoffs, der alle beschäftigt und interessiert, herrscht auch thematisch Leere. Sport-Wettkämpfe und Veranstaltungen fallen aus, Redakteure sind mit Krisenmanagement beschäftigt, manche müssen in die Kurzarbeit, und Recherchen anderer Stoffe werden erschwert, weil Reporterinnen und Reporter sich zumindest bei Ortsbesuchen zurückhalten, um sich und ihr Umfeld nicht unnötig zu gefährden.

Dass die Papier-Ausgaben irgendwann wieder dicker werden, ist kaum zu erwarten. Schon lange weiß man in der Branche, dass Zeitungsabos eher wegen zu viel des Guten als wegen eines zu geringen Umfangs gekündigt werden. Das Gefühl, der Berg an Lesestoff sei nicht mehr abzuarbeiten, gehört in einer Welt der Über-Information zu den häufigeren Klagen von Leserinnen und Lesern. Außerdem werden auch bedächtige Medienhäuser ihre Kundinnen und Kunden in der Corona-Krise zwangsweise an digitale Produkte heranführen müssen. Es ist wahrscheinlich, dass der Druckbetrieb beeinträchtigt wird oder Zusteller ausfallen, weil sie krank oder in Quarantäne sind. Sind die Leserinnen und Leser aber einmal online, kann man sie auch daran gewöhnen. „In absehbarer Zeit werden die Menschen sehr viel mehr Zeit online verbringen. Uns bislang gibt es wenige Beispiele dafür, dass sie zu Offline-Medien zurückkehren, wenn sie sich erst einmal an Online-Medien gewöhnt haben“, schreibt Rasmus Kleis Nielsen, Direktor des Reuters Instituts an der Universität Oxford in einer ungeschönten Analyse der Lage.

Die gedruckte Zeitung wird in Deutschland nicht von heute auf morgen von den Frühstückstischen verschwinden. Aber viele Verlage werden in der Krise und auch danach ihre Verluste zusammenrechnen und beschließen, das gedruckte Päckchen Papier nur noch für das Wochenende herzustellen. Schon heute verbringen die Leserinnen und Leser dann noch am meisten Zeit mit Print. Das gilt insbesondere für die jüngeren Generationen, die mit den großformatigen Blättern schon lange nichts mehr anfangen können. Der Weg von einer Ausgabe pro Woche zu null Ausgaben ist dann nur noch ein kleiner Schritt. Im generellen Taumel der Wirtschaftskrise, die unzählige Arbeitskräfte kosten wird, dürfte das so manch einem noch nicht einmal auffallen. Zumindest, solange der Journalismus überlebt. 

Copyright: Alexandra Borchardt 

Information jetzt – In der Corona-Krise rettet Qualitätsjournalismus Leben

In der Coro­na­krise sind akku­rate, ver­ständ­li­che, fak­ten­treue Medien ent­schei­dend dafür, wie Ein­zelne handeln und damit wie Gesell­schaft und Wirt­schaft funk­tio­nie­ren. Nur Qua­li­täts­me­dien mit ihrer Reich­weite quer durch alle sozia­len Schich­ten können diese Aufgabe über­neh­men.

Kri­sen­zei­ten sind keine Zeiten für Bes­ser­wis­ser. Es sind die Stunden der­je­ni­gen, die es besser wissen. Dies sollten sich alle zu Herzen nehmen in diesen Tagen, Wochen und abseh­bar Monaten, in denen das Corona-Virus die Gesund­heit von Men­schen rund um den Globus und in der Folge die Welt­wirt­schaft bedroht. Gefühls­aus­brü­che auch von Exper­ten sind in dieser ange­spann­ten Lage zwar ver­ständ­lich. Aber vor allem die­je­ni­gen, die dies als Gele­gen­heit betrach­ten, mit „den Medien“ im All­ge­mei­nen und den öffent­lich-recht­li­chen Sendern im Beson­de­ren abzu­rech­nen, sollten sich diese Emo­tio­nen ver­knei­fen. Denn im Zweifel gefähr­den sie damit Leben.

In der Krise ist eine ver­läss­li­che, akku­rate, ver­ständ­li­che, unab­hän­gige und ebenso tief­ge­hende wie reak­ti­ons­schnelle Infor­ma­tion ent­schei­dend dafür, wie Ein­zelne Handeln und damit wie Gesell­schaft und Wirt­schaft funk­tio­nie­ren. Nur Qua­li­täts­me­dien mit ihrer Reich­weite quer durch alle sozia­len Schich­ten können sie liefern.

Zum Glück ist die all­ge­meine Öffent­lich­keit in den meisten Ländern klüger als so manch eine Chat-Runde in den sozia­len Medien. Die eta­blier­ten Medi­en­häu­ser berich­ten davon, wie Ihnen das Publi­kum sämt­li­che Ange­bote zum Thema Covid-19 förm­lich aus dem Netz saugt. News­let­ter werden so stark geöff­net wie nie, Bei­träge abge­ru­fen, Links geklickt. Manch eine Publi­ka­tion öffnet ihre Bezahl­schranke für Corona-Berichte oder nutzt den Infor­ma­ti­ons­hun­ger fürs Abo-Mar­ke­ting. Die Men­schen wissen, wohin sie sich in unsi­che­ren Zeiten wenden müssen: zu den Medien ihres Ver­trau­ens. Und auch die Ent­schei­dungs­trä­ger infor­mie­ren sich dort. So manch eine kluge Info­gra­fik über ver­schie­dene Sze­na­rien zur Aus­brei­tung der Pan­de­mie hat auch Zau­de­rer in Politik und Unter­neh­men davon über­zeugt, dass jetzt dras­ti­sche Ein­schnitte nötig sind, um das Gesund­heits­sys­tem am Laufen zu halten.

Ein Problem ent­steht überall dort, wo der Medi­en­kon­sum entlang poli­ti­scher Über­zeu­gun­gen hoch pola­ri­siert ist und es die Ange­bote nicht oder nicht mehr flä­chen­de­ckend gibt, denen die Men­schen allen Studien zufolge am meisten ver­trauen: Lokal­zei­tun­gen und öffent­lich-recht­li­che Sender. Dies ist zum Bei­spiel in den USA der Fall. Lokal­zei­tun­gen gibt es an einigen Orten nicht mehr, das Natio­nal Public Radio fristet ein Nischen­da­sein. Weil viele Bürger, vor allem aus dem Lager der Trump-Wähler, den großen über­re­gio­na­len Qua­li­täts­me­dien nicht ver­trauen, sind sie beson­ders anfäl­lig für Ver­schwö­rungs­theo­rien aller Art. In Frank­reich, wo die Gelb­wes­ten-Bewe­gung ein tiefes Miss­trauen gegen „die Presse“ hegt und sie auf Seiten der Elite ver­or­tet, gab es sogar eine Protest-Demons­tra­tion gegen die Ein­schrän­kun­gen des öffent­li­chen Lebens. Beides ist brand­ge­fähr­lich.

So manch ein Experte, der in den sozia­len Medien schimpft, auf Twitter finde er oder sie viel bessere Infor­ma­tio­nen als in den Qua­li­täts­me­dien, mag damit punk­tu­ell recht haben. Aller­dings liegt ein großes Problem dieser Zeit in der Asym­me­trie der öffent­li­chen Infor­ma­tion. Während Gebil­dete keine Mühe damit haben, die sozia­len Netz­werke zu navi­gie­ren und darin schnel­ler mehr und bessere Aus­künfte zu finden, als dies bei­spiels­weise noch vor 20 Jahren der Fall gewesen wäre, zir­ku­lie­ren andere in weniger auf­ge­klär­ten Kreisen. Sie sehen dann über­wie­gend Bilder von leeren Regalen und stürmen die Dro­ge­rie­märkte auf der Suche nach Klo­pa­pier, wenn sie nicht gleich selt­sa­men, gerne über geschlos­sene Whats­App-Gruppen geteil­ten Tipps und Spe­ku­la­tio­nen anheim­fal­len. Jour­na­lis­ten sind die­je­ni­gen, die all diese Infor­ma­tio­nen sichten, sor­tie­ren, über­prü­fen, die ent­spre­chen­den Exper­ten aus­fra­gen und damit ver­ständ­lich für alle machen. Ohne Qua­li­täts-Jour­na­lis­mus würde sich die Infor­ma­ti­ons-Ungleich­heit massiv ver­schär­fen. Den Schaden hätten alle.

Wer aber sind nun die­je­ni­gen, die es besser wissen, und wie iden­ti­fi­ziert man sie? Tat­säch­lich lässt sich das nur in der Koope­ra­tion und im Aus­tausch von Ideen her­aus­fin­den, denn die Lage kann sich schnell ändern. Es ist deshalb wenig hilf­reich, ein­zelne Pro­fes­so­ren (sel­te­ner: Pro­fes­so­rin­nen) zu Medi­en­hel­den zu sti­li­sie­ren, so bril­lant sie auch sein mögen. Erstens können sie nur gut bleiben, wenn sie sich ständig über neueste Ent­wick­lun­gen infor­mie­ren und mit Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen aus­tau­schen. Dazu brau­chen sie Zeit. Und zwei­tens führt solch ein Star-Dasein schnell zu einer Hybris, die der ehr­li­chen Suche nach dem neu­es­ten Stand des Wissens abträg­lich ist. Wis­sen­schaft ist ein stän­di­ger Prozess, sie liefert nur selten letzt­gül­tige Ant­wor­ten.

Recht­ha­ber sollten es sich deshalb auch ver­knei­fen, ältere Aus­sa­gen endlos her­vor­zu­kra­men und die Bot­schaf­ter vor­zu­füh­ren. Für die Medien gilt: Der Reflex des Politik-Jour­na­lis­mus, nach Schul­di­gen zu suchen, ist hier weniger gefragt als die ergeb­nis­of­fene Suche des Wis­sen­schafts­jour­na­lis­mus.

Noch stärker als sonst ist in Kri­sen­zei­ten Lernen bei lau­fen­dem Betrieb ein 24-Stunden-Geschäft. Und Lernen können bei so einer Groß­krise nur alle gemein­sam: Exper­ten, Poli­ti­ker und Jour­na­lis­ten ebenso wie die Bürger – und das welt­weit über Län­der­gren­zen hinweg.

Diese Kolumne erschien am 17. März 2020 bei Zentrum Liberale Moderne

Echt jetzt? In einer Welt, die aus Daten gebaut wird, ist die Realität angezählt

In der digitalen Welt sind „Fake News“ nur ein Symptom für ein Phänomen: Was Realität ist und was nicht, wird zunehmend verschwimmen. Das kann Gutes bewirken. Aber es gibt auch einige Risiken.

Erinnert sich noch jemand an „Second Life“? Als das kalifornische Linden Lab das Online-Spiel 2003 auf den Markt brachte, sah das irgendwie nach Zukunft aus. Wer seinem eigentlichen Leben nicht viel abgewinnen konnte, baute sich eben virtuell ein zweites auf, in dem er klüger, schöner und definitiv erfolgreicher war. Um Second Life ist es still geworden, denn heute braucht niemand mehr einen Avatar, um der Wirklichkeit ein wenig Glanz abzutrotzen. Für den Hausgebrauch reichen ein paar Social Media Profile. Das erste und das zweite Leben verschmelzen zu einem.

Die Realität ist angezählt, und das in vielen Lebensbereichen. Schließlich versprechen ihre virtuelle oder erweiterte Variante – oft als XR oder extended reality zusammengefasst – effektiveres Arbeiten, intensivere Erlebnisse, bessere Information und ohnehin mehr Spaß als die dröge Wirklichkeit. Virtuelle Realität macht das Lernen anschaulicher. Intelligente, mit Daten gespickte Brillen werden der Chirurgin und dem Mechaniker gleichermaßen dabei helfen, alle Handgriffe perfekt zu platzieren. Die Unternehmensberatung Accenture prognostiziert in einem zukunftsweisenden wie kritischen Report, dass in vielen Berufsfeldern bis zu einem Drittel der Arbeitszeit von XR-Anwendungen ergänzt werden wird.  

Aber damit entstehen neue Fragen. Was in dieser Welt ist echt, authentisch und real, und was ist manipuliert, inszeniert, geschönt oder schlichtweg erlogen? Die vielzitierten „Fake News“ – von Journalismus-Verächtern gerne als Kampfbegriff missbraucht –, sind nur eine Facette dieses Phänomens. Von aufwändigen XR-Anwendungen bis hin zu Filtern, Photoshop oder Apps, die einen zum Spaß wie eine Greisin oder eine Witzfigur aussehen lassen, bedient allerlei Software ein tiefes menschliches Bedürfnis: sich die Welt schöner oder zumindest anders zu machen, als sie sich darstellt. Und die Möglichkeiten, mit der Realität zu spielen, nehmen zu. Ist das verwerflich, oder kann das ein Segen sein?

Wahr ist: Die Realität steht nicht bei allen und nicht zu jeder Zeit hoch im Kurs. Schließlich hat die Erde ihren Bewohnern schon immer einiges abverlangt. Die Natur ist unberechenbar, der Mensch voller Makel, und die Wirklichkeit kann grau, düster oder sogar grausam sein. Religionen und Kulte haben es deshalb schon immer verstanden, Menschen in andere Welten zu entführen, wenn es im irdischen Leben allzu anstrengend wurde. Laut biblischer Erzählung ist das Paradies die Benchmark für eine erstrebenswerte Realität. Rauschmittel wurden von jeher dazu genutzt, dem komplizierten Hier und Jetzt zu entfliehen. Von den Römern stammt der Slogan: „Brot und Spiele“. Letztere dienten wie heute einerseits der Ablenkung, andererseits als Trainingscamp für die herrschenden Machtverhältnisse. Jedes neue Medium lieferte gleich ein ganzes Portfolio an virtuellen Fluchtwegen aus dem Alltag mit. Jeder, der seine Kindheit bevorzugt im Schein einer funzeligen Leselampe auf dem Bett verbracht hat, weiß, mit welchem Sog Literatur einen in Parallelwelten transportieren kann. Gleiches vermochten der Film, das Radio, Fernsehen sowieso.

Nicht immer diente all das dem Fortschritt. Denn der entsteht nicht aus dem Bedürfnis, der Realität zu entfliehen. Er verlangt, dass man sie verändern will. Dies beginnt zwar oft mit Träumen. Aber für das, was der überstrapazierte Begriff Innovation beschreibt, ist es zwingend, irgendwann daraus aufzuwachen und zur Tat zu schreiten. Mit der Aufklärung kam deshalb ein neues Mantra in die Welt. „Du musst den Tatsachen ins Auge sehen!“, sagt man, oder auf Englisch: „Face it“ und get real!“. Realitätssinn gilt als Qualität in einer aufgeklärten Gesellschaft.

Ganze Berufsstände wie Wissenschaftler und Journalisten tragen tagein tagaus Fakten wie kleine Puzzleteile zusammen, um ein möglichst realitätsgetreues Bild davon zu erschaffen, wie die Welt aussieht und funktioniert. Die Logik dahinter ist klar: Nur, wer die Welt versteht, kann sie verbessern oder zumindest Gefahren aus dem Weg gehen. Und auch die Psychologie folgt diesem Diktum: Allein wer sich selbst kennt, Abgründe inklusive, kann sich weiterentwickeln und fällt nicht immer wieder auf die gleichen Muster herein. Der Weg zur Zufriedenheit führt demnach durch die Mühen der Ebene.

Jegliche menschliche Kulturleistung ließe sich als einen Versuch betrachten, die Realität zu überwinden und zu gestalten, sie Hoffnungen und Wünschen anzupassen. Ob man Paläste oder Kirchen in die Landschaft setzt, Maschinenparks baut oder Landstriche mit Straßen durchpflügt, ob man sich in festliche Trachten wirft oder hinter Schichten von Makeup verbirgt: alles entspringt dem Versuch, der Realität ein anderes, gerne auch freundlicheres Gesicht zu geben.

Haben Kreationen oder Kosmetik eine andere Qualität, wenn sie aus Daten und Software bestehen anstatt aus Steinen, Metall, Stoff und Farbe? Das Ziel ist schließlich das gleiche. Es geht darum, die Welt zu gestalten, idealerweise besser zu machen. Aber ein paar Dinge funktionieren anders, wenn Veränderungen statt in der „realen“ Welt im Datenraum stattfinden.

Zunächst einmal ist da die Geschwindigkeit und Wucht, mit der virtuelle Realitäten die Konsumenten in ihren Bann ziehen. In der physischen Welt wachsen Veränderungen langsam. Menschen haben gewöhnlich Zeit, sich darauf vorzubereiten und sich daran zu gewöhnen. Haben sie das nicht, zum Beispiel bei Unglücken, Naturkatastrophen oder einer schlimmen medizinischen Diagnose, kann das traumatisieren. Mit der virtuellen Welt verhält sich das ähnlich. Wer sich per VR-Brille binnen Sekunden in eine gänzlich andere Welt transportieren lässt, dessen Gehirn kommt nur mit Mühe hinterher. Denn unsere Sinnesorgane sind nicht trainiert darauf, mit solchen rasanten Wechseln der Szenerie umzugehen. Sie sind in der physischen Welt ausgebildet worden, in jahrelanger Erfahrung haben wir gelernt, Geschwindigkeiten einzuschätzen, Gesichter zu interpretieren und uns wegzuducken, wenn Gefahr droht. Das andere Tempo virtueller Applikationen bei dem gleichzeitigen Gefühl, dies sei ja „nicht real“ stiftet Verwirrung, die bis in Alltagssituationen reichen kann.

Es gibt bislang keine Beweise dafür, dass zum Beispiel Killer-Spiele die Gewaltschwelle in der physischen Welt herabsetzen. Manch einer argumentiert sogar, virtuelle Realität könne eingesetzt werden, um Empathie zu üben. Die Fotografin und Filmemacherin Julia Leeb glaubt deshalb an die Kraft von 360 Grad Journalismus. Könnten sich Zuschauer zum Beispiel per VR-Brille in das Leben in einem Kriegsgebiet einfühlen, werde das ihre Haltung beeinflussen, sagt sie. Klar ist aber: Man kann in virtuellen Welten gezielt trainieren, Hemmschwellen herabzusetzen oder Ängste zu bewältigen. Piloten üben zum Beispiel im Flugsimulator regelmäßig, wie sie mit gefährlichen Situationen umgehen sollen, damit sie im Ernstfall weniger schockiert als besonnen reagieren. Was in diesem Fall Gutes bewirkt, nämlich eine gewisse Abstumpfung, kann in anderen Situationen das Mitgefühl herabsetzen.   

Das bedeutet nicht, dass das so bleiben muss. Schneller Wechsel ist Übungssache. Menschen haben schließlich auch gelernt, ans andere Ende der Welt zu fliegen und damit einigermaßen gelassen umzugehen. Vor 100 Jahren wäre dieses Tempo für die meisten eine verstörende Erfahrung gewesen – so wie das auch einst Telefon, Radio oder Kino waren. Aber es ist noch nicht klar, ob unser Steuerungsapparat auf die nächste Stufe aufgerüstet werden kann, ob also das entsprechende Update für unsere Gefühlswelt und Sensorik vorhanden ist.

In einer datengetriebenen Welt mit ständig wachsenden Rechnerkapazitäten und einem entsprechenden Feuerwerk an Neuem fehlt dem Gehirn die Zeit, ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen zu entwickeln. Beides bildet sich durch gute Erfahrungen. Wenn wir etwas oft getan haben, einen Menschen besser kennen und eine Situation einschätzen können, glauben wir, die Lage im Griff zu haben. Bei Unbekanntem wittern wir Gefahr. Das hat sich seit Jahrtausenden kaum verändert.

Entscheidend ist die Balance. Allzu viel Sicherheit kann unaufmerksam und behäbig machen, zu viel Fremdes hingegen löst Angst aus. Der Reiz von Thrillern oder Horrorfilmen liegt genau darin, uns ab und an einigermaßen kontrolliert aus dieser Komfortzone zu holen und womöglich neue Energien freizusetzen. Aber wir sitzen dennoch im vertrauten Wohnzimmer oder zu Popcorn-Geruch im Kinosessel, und danach begeben wir uns wieder in die Sicherheit unseres Alltags. Der Einsatz von virtueller Realität muss also wohlüberlegt sein, die Anwendung kontrolliert. Und es muss auf jeden Fall intensiv erforscht werden, wie sich die Konfrontation mit künstlichen, digital konstruierten Erlebniswelten auf Wahrnehmung und Gesundheit auswirkt.

Vom Schulunterricht bis hin zur Psychotherapie gibt es reichlich Anwendungsfelder, in denen virtuelle Realität Nutzen stiften kann. Patienten können zum Beispiel in angstbehaftete Situationen hineinversetzt werden und dabei lernen, sie souverän zu meistern. Geschichtsunterricht wird lebendiger. Aber die Folgen sollten einigermaßen überschaubar sein, bevor man zum Beispiel Schüler per VR in den Ersten Weltkrieg transportiert.

Eine der wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit virtueller Realität betrifft die Definitionsmacht und die Besitzverhältnisse: Wer kontrolliert die Daten und Fakten und damit die Inhalte, also das, was als „Realität“ wahrgenommen wird? In der analogen Welt sind und waren das bei der Wissensvermittlung überwiegend staatliche Institutionen. Behörden definieren, was in Schulbüchern und auf dem Lehrplan steht. Realität ist auch da ein dehnbarer Begriff, denn natürlich spiegeln sich Ideologie, Stereotype und Rollenbilder ganz offensichtlich in Lehrmaterialien. Ein Deutsch-Buch desselben Jahrgangs aus der Bundesrepublik und der DDR hat zwei sehr unterschiedliche Versionen der Wirklichkeit präsentiert. Aber immerhin werden solche Inhalte idealerweise in einem demokratischen Prozess verhandelt. 

Virtuelle Welten dagegen werden von Unternehmen aus der Privatwirtschaft erstellt, die damit Profit erzielen wollen. Sie bestehen aus Daten, die vorher von Konzernen gesammelt wurden, die Öffentlichkeit hat keinen Zugang dazu und noch weniger Einfluss darauf. Kommerzielle Interessen definieren also die Realität. Sie haben weder an Mitsprache noch an Teilhabe Interesse, sofern das über das bereitwillige Liefern von Daten hinausgeht. Und diese Daten liegen in den Händen von sehr wenigen mächtigen Konzernen.             

Ein weiteres großes Risiko ist der Datenmissbrauch. Während wir uns in virtuellen Welten bewegen, in denen uns vermeintlich nichts passieren kann, ziehen die Applikationen massenhaft Daten über sehr reale Verhaltensweisen und Gefühle ab. Dadurch lassen sich Gesundheits- und Verhaltensprofile erstellen. Zum Beispiel gibt es bestimmte Bewegungsmuster, die auf eine spätere Demenz hindeuten. Für Versicherungen könnte dies eine interessante Information sein. Das World Economic Forum mahnt deshalb einen strengen Datenschutz an.

Entscheidend ist jedoch: Wie wird VR unser Verhalten prägen? Stillen virtuelle Reisen das Bedürfnis, die entlegensten Winkel der Welt zu erforschen, und dienen damit womöglich sogar dem Klimaschutz? Oder wecken sie erst recht die Sehnsucht, all das Gesehene auch zu riechen, zu fühlen, zu spüren und zu schmecken? Wird die analoge Realität ein lästiger Rest oder ein kostbares Gut? Und werden wir in all dem schönen Schein noch die Kraft finden, sie zu verändern? Fortschritt entsteht immerhin aus Unzufriedenheit. Und Träume sollten ein Anfang, kein Ende sein.      

Dieser Text erschien in gekürzter Form in ada – Heute das Morgen verstehen, Ausgabe 01/2020 vom 28. Februar 2020. 

Journalismus darf etwas kosten!

Das Angebot an Infor­ma­tio­nen und Mei­nun­gen ist zu einem Über­an­ge­bot gewor­den. Der Preis für viele jour­na­lis­ti­sche Pro­dukte ten­diert gegen Null. Deshalb müssen Zei­tungs­häu­ser und Medi­en­kon­zerne die Bedürf­nisse ihres Publi­kums ergrün­den. Bezahl­mo­delle funk­tio­nie­ren im Lokal­jour­na­lis­mus beson­ders gut.

Wenn es um ihre eigenen Pro­dukte geht, geben sich manche Jour­na­lis­ten erstaun­lich wenig selbst­be­wusst. „Leider, leider steht dieser Text hinter einer Bezahl­schranke“, kann man zuwei­len in den sozia­len Netz­wer­ken lesen, wenn eine Autorin oder ein Autor ihr eigenes Werk anpreist. Beim Bäcker zum Bei­spiel käme so etwas nie­man­dem in den Sinn. „Leider, leider muss ich für dieses Kür­bis­kern-Bröt­chen Geld ver­lan­gen“ – schon mal gehört? Okay, man kann das nicht direkt ver­glei­chen. Denn ein Bröt­chen gibt es nicht so ohne wei­te­res geschenkt. Um hin­ge­gen Jour­na­lis­mus zu bekom­men, der nichts kostet, reicht meist ein ein­zi­ger Scroll oder Klick. In der Infor­ma­ti­ons- und Auf­klä­rungs­bran­che hat die Digi­ta­li­sie­rung zu einem Markt­ver­sa­gen geführt.

Aller­dings sind sich viele Repor­ter und Redak­teure selbst nicht so sicher, ob sie für ihre Pro­dukte etwas ver­lan­gen dürfen. Schließ­lich sei die Auf­klä­rung der Bürger auch ein öffent­li­ches Gut, von dem alle pro­fi­tie­ren sollten, nicht nur die­je­ni­gen, die es sich leisten könnten, sagen sie. Jour­na­lis­mus, der nichts kostet, sei deshalb ein Dienst an der Demo­kra­tie. Man kann aller­dings auch anders argu­men­tie­ren: Die Demo­kra­tie braucht Medien, die ihre Rolle als Wächter, Welt­erklä­rer und Ver­mitt­ler zwi­schen gesell­schaft­li­chen Gruppen und ein­zel­nen Men­schen ernst nehmen und mit Lei­den­schaft aus­fül­len. Die Bereit­schaft der Bürger, für Jour­na­lis­mus zu zahlen, ist ein Grad­mes­ser dafür, ob ihnen das gut genug gelingt.

Fried­rich Merz: Wir brau­chen Jour­na­lis­ten nicht mehr

Die Situa­tion ist ver­fah­ren, und das hat mehrere Gründe. Einer­seits ist das Angebot an Infor­ma­tio­nen und Mei­nun­gen zu einem Über­an­ge­bot gewor­den: Da Men­schen mit­tei­lungs­be­dürf­tig sind, wollen sie mit ihren Bot­schaf­ten vor allem gehört werden. Dafür auch noch Geld zu ver­lan­gen, kommt nur den­je­ni­gen in den Sinn, die davon leben müssen oder eben jene Orga­ni­sa­tio­nen am Laufen halten, die sich der Auf­klä­rung der Bürger ver­schrie­ben haben. Die anderen würden not­falls sogar drauf­zah­len, um gehört zu werden. „Wir brau­chen die nicht mehr“, sagte der von Füh­rungs­am­bi­tio­nen getrie­bene CDU-Poli­ti­ker Fried­rich Merz kürz­lich an die Adresse von Jour­na­lis­ten und sprach damit vor allem eine Wahr­heit aus: Der  immer noch beliebte Jour­na­lis­mus des Typs „der hat gesagt, die hat gesagt“ ist vom Aus­ster­ben bedroht. Auf dem Markt für Infor­ma­tio­nen ten­diert der Preis für viele Arten von Inhal­ten gegen Null.

„Click­bai­ting“ höhlt Ver­trauen aus

Ande­rer­seits hat sich die Medi­en­bran­che die Kos­ten­los-Kultur auch selbst zuzu­schrei­ben. Zu lange hatte sie in dem Irr­glau­ben ver­harrt, das Erfolgs­mo­dell „Werbung finan­ziert Inhalt“, oder zumin­dest einen großen Teil davon, ließe sich von der Welt der gedruck­ten Zeitung eins zu eins in die Online-Welt über­tra­gen. Dass daraus ein Modell „Inhalte finan­zie­ren Daten für Inter­net-Kon­zerne“ werden würde, hatten sie nicht geahnt.

Von der Stra­te­gie, Texte aus Druckerzeug­nis­sen für jeden zugäng­lich online zu stellen, hat aller­dings bislang niemand pro­fi­tiert. Die Medi­en­häu­ser haben damit zwar ihre Reich­wei­ten erhöht, vor allem betraf das aber ver­wech­sel­bare Inhalte – das so genannte Click­bait –, die ihr Profil ver­wäs­sert und Ver­trauen aus­ge­höhlt haben. Einige Jour­na­lis­ten und Blogger konnten sich zwar per­sön­lich als Marke eta­blie­ren und mas­sen­weise Fol­lo­wer um sich scharen, das allein sichert aber selten ihren Lebens­un­ter­halt. Die Platt­form-Kon­zerne haben auch wenig von der Kos­ten­los-Kultur der Medien, denn der Anteil jour­na­lis­ti­scher Inhalte an allem, was rund um die Uhr über das Netz ver­brei­tet wird, liegt im unteren ein­stel­li­gen Bereich. Und nicht einmal der Anspruch auf mehr Demo­kra­tie wurde ein­ge­löst. Nach einer Studie des Reuters Insti­tu­tes for the Study of Jour­na­lism am Bei­spiel Groß­bri­tan­nien ist der Nach­rich­ten­kon­sum in der digi­ta­len Welt noch unglei­cher ver­teilt als offline: Während gebil­dete Schich­ten sich online aus mehr Quellen infor­mie­ren, bekom­men sozial schlech­ter gestellte wegen des Über­an­ge­bots an Unter­hal­tung und anderen Ablen­kun­gen noch sel­te­ner mit Jour­na­lis­mus in Berüh­rung als vorher.

Schreib­tisch­jour­na­lis­mus

Gewin­ner sind einzig die Bil­dungs­eli­ten, die mit der neuen Infor­ma­ti­ons­welt gut umgehen können. Die könnten es sich leisten, für guten Jour­na­lis­mus Geld aus­zu­ge­ben, aber sie tun es selten, wenn sie es nicht müssen. Welt­weit zahlen laut dem Digital News Report, der 38 Länder ana­ly­siert, nur etwa 14 Prozent aller online Nutzer für jour­na­lis­ti­sche Ange­bote. In einigen skan­di­na­vi­schen Ländern, in denen es wenige kos­ten­freie Qua­li­täts­an­ge­bote gibt, sind es immer­hin bis zu 30 Prozent.

In vielen einst pro­spe­rie­ren­den Zei­tungs­häu­sern ran­gie­ren die Stra­te­gien deshalb irgendwo zwi­schen Kürzen und Kahl­schlag. Überall auf der Welt ächzen Medien gleich­zei­tig unter dem Versuch, kos­ten­pflich­tige Ange­bote auf­zu­bauen. Das ist schwie­rig. Denn viele Redak­tio­nen haben sich aus der Not heraus auf eine Art „Copy und Paste“-Journalismus ein­ge­schos­sen, für den man den Schreib­tisch nicht ver­las­sen muss. Für solche Billig-Ware zahlen die Kon­su­men­ten nicht, doch für was dann? Vor lauter Ringen um Klicks und Reich­weite haben viele Medi­en­schaf­fende den Kontakt zu ihrem Publi­kum ver­lo­ren.

Geschäfts­mo­dell Lokal­jour­na­lis­mus

Klar ist: Kon­su­men­ten sind eher nicht geneigt, für ein­zelne Inhalte Geld aus­zu­ge­ben. Es gibt schlicht zu viele davon. Sie zahlen für ein Erleb­nis, zum Bei­spiel für ein Ritual am Morgen oder ein Event am Abend. Sie zahlen für Service und Bera­tung. Und sie zahlen für das Qua­li­täts­ver­spre­chen einer Marke, die es schafft, Ver­trauen auf­zu­bauen und zu pflegen. Men­schen müssen sich vom Jour­na­lis­mus ernst genom­men fühlen, wenn sie ihn unter­stüt­zen sollen. Redak­tio­nen müssen sich deshalb auf ihren Kern zurück­be­sin­nen: Sie müssen sich ihrem spe­zi­el­len Publi­kum zuwen­den, dessen Bedürf­nisse ergrün­den und ihm dienen. Im Lokal­jour­na­lis­mus kann das beson­ders gut gelin­gen.

Nur wer sich unver­zicht­bar oder zum Teil einer lieb­ge­wor­de­nen Routine macht, kann das in Rech­nung stellen. Bürger brau­chen Ori­en­tie­rung. Sie werden nicht für alles zahlen wollen, und wenige können es wirk­lich nicht. Auch für sie muss es Ange­bote geben, ob öffent­lich-recht­lich oder stif­tungs­fi­nan­ziert. Aber noch geben viele Men­schen für den Milch­kaf­fee zum Mit­neh­men mehr Geld aus als für den Jour­na­lis­mus, an dem sie mehr und länger Freude haben sollten. Es liegt in den Händen der Medi­en­häu­ser, das zu ändern. Jour­na­lis­mus, der so viel Spaß macht wie ein „Coffee to go“: Das muss zu schaf­fen sein.

Diese Kolumne erschien am 25. Februar 2020 bei Zentrum Liberale Moderne